Letztes Update am So, 28.04.2019 13:38

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Filmmonat Mai: Cannes in Rot-Weiß-Rot und kurzes Kino in Wien



Wien (APA) - Im Mai platzt der Kalender der Filminteressierten aus allen Nähten. Neben dem großen Festivaltanker Cannes laden auch Oberhausen und das Wiener VIS zu kürzerem Filmschaffen, während zahlreiche Retrospektiven in den Kinoinstitutionen die versteckten Helden der Branche ehren.

Filmmuseum ehrt Xhanfise Keko (1. und 2. Mai): 2007 verstarb die albanische Regisseurin Xhanfise Keko. Sie schaffte es, die strengen Zensurauflagen unter Hoxha mit einer Fokussierung auf das Genre des Kinderfilms zu umgehen. Dort formulierte sie ihre persönlichen Gedanken. Das Filmmuseum bietet nun mit fünf Werken einen Einblick in das Schaffen und Denken der Filmemacherin.

Filmarchiv beleuchtet die Tito-Ära (2. Mai bis 23. Juni): In den 1960ern blühte im Tito-Jugoslawien das Kino auf. Unter dem Titel „Schwarze Welle“ brachten Filmemacher Licht in die Bürden des Alltags und die verdrängten Bereiche des autoritär geführten Reiches. Breit war dabei das stilistische Spektrum, das vom linearen Erzählen und Hyperrealismus eines Aleksandar Petrovic oder Zivojin Pavlovic bis zum Collagestil von Zelimir Zilnik oder Dusan Makavejev reicht. Ab Beginn der 1970er reagierte die Zensur entsprechend empfindlich, drängte einen Teil der Regisseure ins Ausland. Mit einer breit angelegten Retrospektive wird diese kurze Blütephase des Weltkinos nun vom Filmarchiv gewürdigt.

/slash einhalb im Wiener Filmcasino (3. bis 5. Mai): Im Herbst begeht das Festival des fantastischen Films seine Ausgabe Nr. 10. Nur etwa halb so alt ist das /slash einhalb, das die Wartezeit bis dahin verkürzen soll. Unter Kuratorenschaft von Festivalchef Markus Keuschnigg gibt es im Filmcasino wieder Schauerliches aus den Regieküchen der Welt zu sehen - von Joe Berlingers Biografie über den Serienmörder Ted Bundy, „Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile“ mit Zac Efron in der Hauptrolle, bis zum Romero-Klassiker „Dawn of the Dead“ aus 1978.

Ethnocineca - Ethnographic and Documentary Filmfest Vienna (23. bis 29. Mai): Eine dezidiert sozialkritische und gesellschaftspolitische Perspektive nimmt auch heuer das Festival für ethnografische und dokumentarische Filme Ethnocineca bei seiner 13. Ausgabe ein. „At Risk“ lautet das heurige Motto für die Einreichungen. Die besten werden dann an sieben Tagen im Wiener Votivkino und dem De France in fünf Wettbewerbssparten um den Sieg rittern.

Internationale Kurzfilmtage Oberhausen (1. bis 6. Mai): Wieder rund 500 Filme werden auch heuer wieder bei den 65. Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen zu sehen sein. Das renommierte Festival lädt von 1. bis 6. Mai nach Nordrhein-Westfalen. Dabei ist Österreich heuer gleich mit drei Ko-Produktionen im Internationalen Wettbewerb vertreten. Sasha Pirker und Michael Klein sind mit „60 Elephants. Episodes of a Theory“, Lotte Schreiber mit „Sabaudia“ und Kim Kielhofer mit „The Shepherd“ im Rennen.

Young Audience Film Day in Wien und St. Pölten (5. Mai): Mehr als 2.000 filmaffine Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren aus 34 Ländern küren alljährlich am Young Audience Film Day bei Screenings der European Film Academy ihren Liebling aus drei nominierten Filmen. Dank der Akademie des Österreichischen Films ist auch Österreich mit von der Partie, konkret das cinemagic in der Wiener Urania sowie das Cinema Paradiso in St. Pölten. Die Jungjuroren können diesesmal aus der skandinavischen Produktion „Los Bando“, dem britisch-schwedischen „Old Boys“ und dem niederländisch-belgischen Streifen „Fight Girl“ (Vechtmeisje) wählen.

Internationales Filmfestival Innsbruck (28. Mai bis 2. Juni): Bereits seine 28. Ausgabe begeht heuer das Internationale Festival Innsbruck IFFI. Nach der Eröffnung am 28. Mai zeigt man im Leokino und Cinematograph wieder mehrere Dutzend Filme, die vorrangig aus Ländern des Südens und Ostens dieser Welt kommen und von deren Perspektiven auf die Welt handeln.

Kurzfilmfestival VIS in Wien (28. Mai bis 2. Juni): In Wien feiert das Kurzfilmfestival VIS Vienna Shorts heuer seine 16. Ausgabe. Im internationalen Wettbewerb Fiction & Documentary treten heuer 32 Kurzspiel- und Kurzdokumentarfilme gegeneinander an, während der heuer sein zehnjähriges Jubiläum feiernde Wettbewerb Animation Avantgarde sogar mit 35 Beiträgen aufwarten kann. Prominente wie der Videokünstler Björn Melhus, die Dokumentaristin Alex Gerbaulet und die Medienkünstlerin Anna Vasof stellen sich persönlich dem VIS-Publikum, das auch heuer wieder zum erotischen Late-Night-PopPorn geladen ist.

Internationale Filmfestspiele in Cannes (14. bis 25. Mai): Die 72. Filmfestspiele von Cannes bieten heuer nicht zuletzt dem österreichischen Kino ein breites Forum. Jessica Hausner mischt mit ihrer Zukunftsdystopie „Little Joe“ gar im Wettbewerb um die Goldene Palme mit, Andreas Horvath ist mit seinem Roadmovie „Lillian“ in der Nebenschiene der Quinzaine des Realisateurs im Rennen und Martin Monks „Favoriten“ hat sich für die Nachwuchsschiene Cinefondation qualifiziert. Ansonsten versammeln sich an der Cote-d‘Azur auch heuer wieder die Größen des Filmschaffens, darunter Jim Jarmusch, Pedro Almodovar oder Terrence Malick, der mit seiner von deutschsprachigen Stars gespickten Jägerstätter-Biografie „A Hidden Life“ im Wettbewerb vertreten ist. Über die Palmen entscheidet dann wieder die Jury unter Vorsitz des mexikanischen Filmemachers Alejandro Gonzalez Inarritu.

(S E R V I C E - www.festival-cannes.com, http://filmarchiv.at, www.ethnocineca.at, www.kurzfilmtage.de, www.slashfilmfestival.com, www.filmmuseum.at)




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