Letztes Update am Mi, 08.05.2019 13:52

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Motorradunfälle: Fahrsimulationstraining für Autofahrer sinnvoll



Graz (APA) - Auf österreichischen Straßen ereignen sich jährlich an die 4.200 Motorradunfälle. Laut Unfallforschern sind in mehr als der Hälfte der Fälle weitere Fahrzeuge beteiligt und der Hauptgrund ist, dass der Biker von Pkw-Fahrern zu spät bemerkt wurde. Eine spezielle Fahrsimulator-gestützte Ausbildung angehender Autofahrer könnte diese Unfälle reduzieren, geht aus einer Studie an der TU Graz hervor.

„Ein Motorrad und sein Lenker sind im Straßenverkehr kleine, schnelle und meist dunkle Objekte, die oft schlecht wahrgenommen werden können“, legte Arno Eichberger, Professor am Institut für Fahrzeugsicherheit, die Grundproblematik dar. Aus Sicht des Grazer Forschers sind Optimierungen am Motorrad in diesem Zusammenhang „nicht zielführend“: „Wir konzentrieren uns daher auf den Autofahrer und der Verbesserung seiner Wahrnehmung von Motorrädern.“ Die Idee war, durch gezielte Trainings die Sensibilität für die charakteristischen Gefahrensituationen zu erhöhen.

Das Konsortium aus Forschenden der TU Graz, der Fraunhofer Austria und eines Sachverständigen-Büros für Verkehrssicherheit und Unfallrekonstruktion hat sich dabei von Trainingsszenarien von Piloten inspirieren lassen. „Dort werden vielgestaltige Gefahrensituationen unter variabler Prioritätensetzung durchgespielt - möglichst schnell fahren beispielsweise, oder unter der Priorität, die Geschwindigkeit einzuhalten“, schilderte Eichberger. Nach jedem Durchgang bekommen die Auszubildenden ein Feedback.

In dem für diese Anforderung speziell konzipierten Fahrsimulator wurden 80 Fahrschüler wiederum mit den häufigsten Kollisions-Szenarien zwischen Motorrädern und Pkw konfrontiert. Anhand der absolvierten Übungsfahrten wurde überprüft, ob und wie früh die Probanden das Motorrad erkennen. Die Ergebnisse wurden mit denen aus einer Kontrollgruppe, die nicht auf mögliche Motorradkollisionen trainiert wurde, verglichen: Es habe sich gezeigt, dass das spezifische Fahrsimulator-gestützte Training die Wahrnehmung von Motorrädern signifikant verbessern hat. „Die Studie unterstreicht die Vorteile von Fahrsimulatoren. Das Verhalten in kritischen Situationen kann so risikofrei trainiert und die Fahrtüchtigkeit verbessert werden“, resümierte der Grazer Experte.

In einem weiteren Teil der Studie unterstützte ein zusätzliches Assistenzsystem die Fahrschüler mit akustischen und optischen Warnsignalen bei Nahen eines virtuellen Motorrades. Die Signale wurden aufgrund von Fahrzeug zu Fahrzeug-Kommunikation abgegeben, wenn sich ein Motorrad einem Pkw nähert. Hier zeigte sich jedoch nach den Simulationstrainings, dass der Nutzen mit zusätzlichen Warnsignalen situationsabhängig ist: Im Landstraßenszenario wurden Verbesserungen durch das Training erreicht. „Im Ortsgebiet sank die Performance jedoch. „Im innerstädtischen, herausfordernden Bereich dürften sich die Fahrer nach der Gewöhnung zu sehr auf das Fahrerassistenzsystem verlassen, so dass keine Trainingsverbesserung eintrat“, schilderte Eichberger.




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