Letztes Update am Do, 09.05.2019 06:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Straßentunnel: Asfinag investierte vier Mrd. Euro in Sicherheit 1



Flachau/Wien (APA) - Nach dem verheerenden Unfall im Tauerntunnel am 29. Mai 1999 wurde die Sicherheit der österreichischen Straßentunnel zum großen Thema. Die Asfinag hat seither rund vier Milliarden Euro in die Tunnelsicherheit investiert, vor allem durch den Bau zweiter Röhren mit Verbindungsstollen, verbesserte Überwachung oder zusätzliche Technik. Das Programm befindet sich inzwischen in der Zielgeraden.

Vor dem Unglück war der Bau einer zweiten Röhre durch die Tauern politisch nicht mehrheitsfähig. Mit der Katastrophe kam das große Umdenken, und die Sicherheitsargumente sprachen für sich: Gab es im einröhrigen Tunnel nur die beiden sechseinhalb Kilometer auseinanderliegenden Portale als Fluchtweg, wurden mit der zweiten Röhre auch 26 Querschläge errichtet, durch die man sich in den anderen Tunnel retten kann. Neun Querverbindungen können sogar von Fahrzeugen benutzt werden. Zudem wurden 126 Abluftjalousien angebracht, die einzeln gesteuert werden können und ein gezieltes Absaugen von Rauch ermöglichen. Weiters wurden die Notruf-Nischen mit einer eigenen Luft-Zufuhr ausgestattet, die Tunnelwände heller gestrichen, die Beleuchtung verbessert und der Tunnelfunk optimiert.

Eine ganz freiwillige Leistung ist das Tunnelsicherheitsprogramm der Asfinag inzwischen aber nicht mehr, denn ein Umdenken gab es auch auf europäischer Ebene: Nach schweren Katastrophen (Mont-Blanc-Tunnel am 24. März 1999 mit 39 Toten, Tauerntunnel 1999 mit zwölf Toten, Gotthardtunnel am 24. Okober 2001 mit elf Toten) erließ die EU 2004 eine Richtlinie über die „Mindestanforderungen für die Sicherheit in Straßentunnels“, die Österreich zwei Jahre später im Straßentunnelsicherheitsgesetz umsetzte. Dieses schreibt den Bau zweiter Röhren für Tunnel vor, die über 500 Meter lang sind und durch die mehr als 10.000 Fahrzeuge pro Tag und Fahrstreifen fahren.

2009 ging auf der Tauernautobahn (A10) die zweite Röhre durch den Katschberg (zwischen Salzburg und Kärnten) in Betrieb, zwei Jahre später hatte auch der Tauerntunnel in jede Richtung eine eigene Röhre. Aber auch eine ganze Reihe anderer Tunnel erhielt inzwischen zweite Röhren: etwa die Tunnelkette Klaus auf der Pyhrnautobahn (A9), der Pfändertunnel auf der A14 bei Bregenz oder der Gleinalmtunnel auf der A9, wobei hier bis zum Jahresende noch die Bestandsröhre erneuert wird, ehe die Freigabe in beide Richtungen erfolgt. Ab dann ist die gesamte Pyhrnachse - eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung durch Österreich - ohne Gegenverkehrsabschnitt.

Im Vorjahr erfolgte auch der Baubeginn für die zweite Röhre des Karawankentunnels zwischen Kärnten und Slowenien. Die Fertigstellung des rund acht Kilometer langen Stollens soll laut Asfinag 2023 erfolgen, die Kosten wurden mit 168 Millionen Euro beziffert.




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