Letztes Update am Di, 21.05.2019 11:07

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


75-Jährige im Burgenland erstochen 2 - Für Verteidigung Totschlag



Eisenstadt (APA) - Ihr Mandant habe sich geständig verantwortet, die 75-jährige Frau tödlich verletzt zu haben. „Die Tat ist weder zu entschuldigen noch wiedergutzumachen“, sagte Verteidigerin Maria Münzenrieder. Von einem „gezielten Mord“ sei man aber „weit entfernt“, plädierte sie auf Totschlag.

Der 32-Jährige sei von Familie, Freunden und Kollegen immer als hilfsbereit und fleißig beschrieben worden. An sich „ein sehr ruhiger, ausgeglichener Mensch“, leide er jedoch seit der Geburt an einem Syndrom, das erhebliche emotionale Probleme verursache. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2016 sei das Leben des Angeklagten aus den Fugen geraten. Laut einem Sachverständigen leide der 32-Jährige an einer triebhaften Beziehung zu Kopfpölstern. Dieser Trieb habe ihn in den Keller des Opfers geführt und nicht der Wille, zu töten, erläuterte Münzenrieder.

Wenn der 32-Jährige Pölster sehe, verspüre er den Drang, diese zu berühren. „Er wollte niemand umbringen, es ging ihm rein um diese Pölster“, sagte die Verteidigerin. Das Messer habe er am Vortag in die Jacke gesteckt, ohne groß nachzudenken. Im Keller habe er Pölster gefunden, „die ihn in diesen nervösen Erregungszustand führten. Er wollte die Pölster zerschneiden“, schilderte Münzenrieder.

Auch könne der Angeklagte sich nicht erklären, warum er sich nicht versteckt habe oder geflüchtet sei. „Es kann sich niemand erklären, warum er diese Handlung gesetzt hat, er selbst auch nicht.“ Es sei wichtig, zu entscheiden, ob der Angeklagte einen gezielten Mord oder einen Totschlag begangen habe, wandte sich die Verteidigerin an die Geschworenen. Dabei sei auf die höchstpersönliche Beschaffenheit des Angeklagten abzustellen. Wenn jemand zur Tatzeit eine heftige Gemütsbewegung wie Zorn oder Hass verspüre, heiße dies nicht, dass er deswegen einen Mord begangen habe.

Ihr Mandant habe sich „in einem Ausnahmezustand befunden. Genau in so einem Ausnahmezustand, in einem Erregungszustand, hat er die Tat ausgeführt.“ Der Burgenländer leide an einer schizoiden Persönlichkeitsstörung und werde eine stationäre Therapie benötigen.

Anwalt Klaus Philipp machte für Familienangehörige des Opfers Trauerschmerzengeld und Therapiekosten im Gesamtausmaß von knapp 50.000 Euro geltend. Die Verteidigung erkannte vorerst einen Teilbetrag, unter anderem für die Begräbnis- sowie für Behandlungskosten, an.




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