Letztes Update am Di, 21.05.2019 14:45

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


75-Jährige im Burgenland erstochen - Geschworene beraten



Eisenstadt (APA) - Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 75-jährigen Pensionistin im Vorjahr im Burgenland haben sich die Geschworenen am Dienstagnachmittag zur Beratung zurückgezogen. Die einzige Frage, über die es zu entscheiden gilt, ist, ob ein vorsätzliches Tötungsdelikt vorliege. Dass Totschlag nicht als Eventualfrage berücksichtigt wurde, veranlasste die Verteidigerin zu Kritik.

„Sie haben den Angeklagten gehört, sie haben die Stimme der Getöteten gehört“, sagte Staatsanwältin Verena Strnad und bezog sich dabei auf den Mitschnitt eines Anrufs der 75-Jährigen, die trotz ihrer Verletzungen noch einen Notruf abgesetzt hatte. Für die Frau habe es keine Möglichkeit gegeben, zu entkommen. Die Stiche seien „sehr wuchtig“ und in einem sehr engen Bereich bei Herz und Lunge gesetzt worden.

Im Keller habe der Angeklagte „völlig wortlos auf das Opfer eingestochen“, sagte Strnad. Der 32-Jährige habe die Frau gehört und auch gewusst, dass sie in den Keller komme: „Er hat mit dem Messer in der Hand zehn Minuten auf sie gewartet. Er hätte die Polster nehmen und gehen können - niemand hätte gewusst, wer es war“, so die Anklägerin. Der 32-Jährige habe „weder damals noch heute eine Gemütsregung gezeigt.“

Den Geschworenen sei mit der Streichung der das Delikt des Totschlags betreffenden Eventualfrage die Auswahlmöglichkeit genommen worden, stellte Verteidigerin Maria Münzenrieder fest. Sie wolle nicht schönreden, was im November des Vorjahres passiert sei. Der Angeklagte habe „einen furchtbaren Fehler gemacht.“ Die Geschworenen ersuchte sie, „ihm wegen dieses Fehlers nicht das ganze Leben zu verbauen“.

Ihr Mandant habe krankheitsbedingt gehandelt. „Der triebhafte Drang hat ihn in den Keller gezwungen. Das war der Grund, dass er hingegangen ist und nicht ein gezielter Mord“, sagte Münzenrieder: „Diese Polster haben ihn dorthin gezogen“. Dass es zur Begegnung mit dem Opfer gekommen sei, sei ein Unglücksfall gewesen.

Dem 32-Jährigen fehle es krankheitsbedingt an jeder Motivation, jemand umzubringen. Der Fall sei für sie ein Beispiel für die Unterscheidung zwischen Totschlag und Mord.




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