Letztes Update am Fr, 24.05.2019 02:46

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vom Teeverkäufer zum „Wächter“: Modi bleibt Indiens starker Mann



Neu-Delhi (APA/dpa) - Mit religiösem Populismus spaltet Narendra Modi Indien, seine Wahlerfolge etablieren ihn aber als heutiges Gesicht des Landes. Seit Indira Gandhi im Jahr 1971 hatte kein amtierender indischer Premierminister seine Partei zu so einem deutlichen Wahlerfolg geführt wie Modi.

Die einen sehen den 68-Jährigen als starken Macher, der Indiens Entwicklung vorantreibt und die grassierende Korruption bekämpft. Die anderen betrachten ihn als autoritären Rechtspopulisten, der die in der Verfassung verankerte Säkularität des Staates aushöhlt.

Modi gehört einer niedrigen Stufe des hierarchischen Kastensystems an. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf und half seinem Vater, am Bahnhof Tee zu verkaufen. Sein kometenhafter Aufstieg begann in der RSS, einer nach faschistischem Vorbild gegründeten Freiwilligenorganisation, die eine Mehrheitsherrschaft der Hindus will.

Darüber kam er zur hindu-nationalistischen Partei BJP, die als politischer Arm der RSS gilt. Von 2001 bis 2014 war er Regierungschef des westindischen Teilstaates Gujarat. Im Jahr 2002 massakrierten Hindus dort Hunderte Muslime. Modi wird vorgeworfen, damals die Mobs angeheizt zu haben.

Im Wahlkampf 2014 versprach er, zehn Millionen neue Arbeitsplätze pro Jahr zu schaffen. Die Arbeitslosigkeit stieg jedoch in seiner ersten Amtszeit, also wechselte er das Thema: Im diesjährigen Wahlkampf appellierte Modi an den Nationalstolz der Wähler und erklärte sich zum „Wächter“, der Indien beschützt.

Als charismatischer Redner und Meister der politischen Kommunikation machte Modi die Wahl zu einem Referendum über seine persönliche Beliebtheit. Ihm folgen bei Twitter mehr als 47 Millionen Nutzer - unter Politikern haben nur Barack Obama und Donald Trump mehr. Eine derart starke Persönlichkeit haben Modis Gegner nicht aufzubieten.




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