Letztes Update am Mi, 12.06.2019 06:03

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Pneuma“ feiert bei Wiener Festwochen Premiere



Einatmen, ausatmen: Eine Komposition. Bei den Wiener Festwochen feiert am Freitag (14. Juni) ein unübliches Projekt Premiere. „Pneuma“ in den Gösserhallen will zugleich Konzert, Installation und „kollektiver Akt des Atmens“ sein. Das belgische Avantgarde-Ensemble Ictus spielt in einer luftgefüllten Membran - unter anderem Musik von Sofia Gubaidulina, der auch ein Konzerthaus-Fokus gewidmet ist.

Die Idee geht zurück auf den französischen Künstler Philippe Quesne, der eine aufblasbare Membran als Spielort ersann - Ictus hat dazu ein Programm entwickelt. Das Publikum befindet sich dabei - wie oft bei Ictus-Konzerten - frei im Raum, kann sich auch hinlegen oder in Bewegung bleiben und so die „Geräuschlandschaften“ je nach persönlichem Geschmack erwandern. Komponisten des Abends sind Peter Ablinger, Heinz Holliger, Jürg Frey, Gubaidulina und Michael Schmid, für dessen als „Wiener Version“ aufgeführtes „Breathcore“ vor der Performance ein dreitägiger Workshop stattfindet. Dafür wurden Interessierte gesucht, die das auf gemeinsamem Atmen basierende Stück einstudieren und dann ohne Partitur oder Dirigent aufführen.

Gubaidulina, die mit „De Profundis“ aus 1978 sowie „In Croce“ aus 1991 bei „Pneuma“ vertreten ist, ist der Link zum Wiener Konzerthaus - heuer die einzige Kooperation zwischen den Festwochen und dem gleichzeitig stattfindenden Internationalen Musikfest. Von der langjährigen Kooperation der Festwochen mit abwechselnd Konzerthaus und Musikverein für ein begleitendes Klassikprogramm ist nach der Aufkündigung durch den ehemaligen Festwochen-Chef Tomas Zierhofer-Kin zunächst nicht viel übrig geblieben. Zwischen dem neuen Intendanten Christophe Slagmuylder und den Leitern der beiden Konzerthäuser gibt es aber Gespräche. Für heuer sei es für die Planung einer Zusammenarbeit nach der kurzfristigen Übernahme Slagmuylders schlichtweg zu knapp gewesen, hatte Konzerthauschef Matthias Naske erklärt.

Gubaidulina, eine der wichtigsten lebenden Komponistinnen unserer Zeit, wird nach dem „Pneuma“-Auftakt in den Gösserhallen jedenfalls auch im Mozart- und Großen Saal des Konzerthauses gewürdigt: Am Samstag (15.) und Sonntag (16.) stehen gleich vier Konzerte mit ihren Werken auf dem Programm. Die Russin, die ihren Lebensunterhalt lange mit Filmmusik verdiente, sich der Sowjetästhetik stets verweigerte und ihre Werke ab den 1970er Jahren zunehmend im Zusammenhang mit ihrem christlichen Glauben verfasste, zählt mit heute 87 Jahren zu den ganz Großen der zeitgenössischen Musik. Seit ihrer Bekanntmachung im Westen durch Gidon Kremer hat sie einen steten Siegeszug durch die Konzerthallen angetreten und für zahlreiche namhafte Solisten Auftragswerke geschrieben.

Das vierteilige Konzerthaus-Porträt beinhaltet Kammermusik, Chor- und Orchesterwerke aus den Jahren 1971 bis 2018, präsentiert von Ensembles wie dem Chorus sine nomine („Sonnengesang“ aus 1997), dem Minguet Quartett mit Sopranistin Yeree Suh, der „Kapelle für neue Musik“ Windkraft („Stunde der Seele“ aus 1974) oder dem Radio Symphonieorchester Wien (u.a. mit der europäischen Erstaufführung des dritten Violinkonzerts „Dialog: Ich und Du“ durch Vadim Repin).




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