Letztes Update am Fr, 28.06.2019 15:42

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Papst ernannte Administrator für Diözese Gurk-Klagenfurt



Papst Franziskus hat am Freitag Militärbischof Werner Freistetter zum Apostolischen Administrator der Diözese Gurk-Klagenfurt ernannt. Das hat der Vatikan Freitagmittag bekanntgegeben, wie die Agentur Kathpress berichtete. Mit der Veröffentlichung der Ernennung wurde sie auch zugleich wirksam. Freistetter löst damit Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger an der Spitze der Diözese ab.

Seit rund einem Jahr ist die Diözese bereits ohne Bischof, damals übernahm Alois Schwarz die Diözese St. Pölten. Der Wechsel war von Turbulenzen begleitet, Schwarz wurde mit Vorwürfen bezüglich Zölibat und wirtschaftlicher Amtsführung konfrontiert. Inzwischen gibt es auch Verfahren bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Schwarz wies die Vorwürfe stets zurück.

Werner Freistetter, hat in einer ersten Reaktion erklärt, die ihm übertragene Aufgabe erfordere große Sensibilität. Die Bestellung sei für ihn überraschend gekommen, nun müsse er sich erst einmal ein Bild machen. Kardinal Christoph Schönborn bezeichnete die Entscheidung als „gute Interimslösung“.

Freistetter erklärte, seine Aufgabe als Administrator sei es, die Amtsgeschäfte so lange fortzuführen, bis ein neuer Bischof durch den Papst ernannt worden sei. Der gebürtige Oberösterreicher werde zuallererst einmal viele Gespräche führen, um die Menschen in der Diözese kennenzulernen, kündigte der 65-Jährige an. Seine Aufgabe als Militärbischof werde er weiterhin wahrnehmen. In der kommenden Woche will er die Öffentlichkeit im Rahmen einer Pressekonferenz in Klagenfurt über seine Aufgabe als apostolischer Administrator informieren. Bis dahin sind keine weiteren öffentlichen Stellungnahmen geplant.

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Kardinal Schönborn bezeichnete die Bestellung als „gute Interimslösung auf dem Weg der Heilung in der Diözese Gurk“. Schönborn: „Bischof Freistetter kommt nicht mit schweren Waffen nach Kärnten, sondern ist von seiner fachlichen Qualifikation und Erfahrung gewöhnt, Friedensprozesse zu begleiten“, sagte der Wiener Erzbischof. Er sprach von einer „nicht einfachen Aufgabe“, die aber voraussichtlich nicht sehr lange dauern werde. Er habe die Zusage vom Nuntius und aus Rom, dass die Ernennung eines neuen Bischofs zügig erfolgen werde, sagte Schönborn und betonte, Freistetter sei „kein Probebischof für Kärnten“. Der Kardinal meinte auch, er respektiere und anerkenne das Bemühen von Diözesanadministrator Guggenberger um Klarheit und Transparenz und fügte hinzu: „Gleichzeitig sehe ich in der Ernennung eines Apostolischen Administrators das Bemühen um Beruhigung in der Diözese.“

Der abgesetzte Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger hat am Freitagnachmittag zu der Entscheidung Roms Stellung genommen. Er bezeichnete seine Absetzung als „hilflosen Versuch, sich eines unbequemen Mahners zu entledigen“. Die Entscheidung Roms nehme er selbstverständlich zur Kenntnis. Seine Stellungnahme erfolge als Dompropst und Sprecher des Domkapitels.

Guggenberger bekräftigte seine Vorwürfe gegen den jetzigen St. Pöltener Bischof Alois Schwarz. Wörtlich sagte er: „Die Gesamtperformance des 65. Gurker Bischofs hat der Kirche und dem Bischofsamt schweren Schaden zugefügt und die Glaubwürdigkeit der Kirche und deren Amtsträger nachhaltig beschädigt.“ Seine Absetzung sei nicht nur aus seiner Sicht ein hilfloser Versuch, sich eines unbequemen Mahners zu entledigen, der angesichts öffentlich geäußerter Vorwürfe in Bezug auf die bischöfliche Amtsführung nicht weggeschaut, sondern veranlasst habe, dass den Vorwürfen nachgegangen wird. Guggenberger: „Um es in einem Bild darzustellen: Derjenige, der darauf hingewiesen hat, dass es einen Brand gibt, wird ohne Angaben von Gründen vom Einsatz abgezogen und entfernt, während die übergeordneten Instanzen den Brandverursacher mit allen Mitteln schützen und durch ihr fortgesetztes Schweigen seine Handlungen billigen.“

Seine Absetzung werde die Causa nicht beenden, sondern die Aufarbeitung nur verschleppen und weiter für Unruhe sorgen. Man werde erst zu einem guten Ende kommen, wenn auch die „kirchlich übergeordneten Stellen in Wien und Rom sich der Realität stellen, Fakten anerkennen und dann auch entsprechenden Konsequenzen ziehen“.

Sowohl Kardinal Christoph Schönborn als auch Erzbischof Franz Lackner hätten öffentlich davon gesprochen, dass es personelle Konsequenzen geben müsse. „Wenn meine Absetzung nun die Einlösung dieser Ankündigung ist, dann werden dadurch nur noch mehr Fragen aufgeworfen, denn die im Raum stehenden Vorwürfe bleiben von den kirchlich übergeordneten Stellen weiterhin unbeantwortet“, so Guggenberger.

Das Vorgehen Roms zeige, dass sich die Katholische Kirche schwer tue mit der Aufarbeitung, wenn in einem bischöflichen Verantwortungsbereich Dinge aus dem Ruder laufen. Ein Grund liegt meines Erachtens darin, dass im katholischen System Konsequenzen für Machtmissbrauch durch Amtsträger nicht oder jedenfalls keinesfalls ausreichend vorgesehen sind. „Wenn Machtmissbrauch passiert, dann laufen ähnliche Muster ab, wie sie leider viel zu lange beim Umgang mit sexuellem Missbrauch aufgetreten sind: Verdrängen, Verleugnen, Vertuschen und Unter-den-Teppich-Kehren.“ Diesbezüglich stehe der Kirche noch ein sehr langer Weg bevor, bis sie das 21. Jahrhundert erreicht habe. Abschließend bat Guggenberger alle Gläubigen, trotz der aktuellen Schwierigkeiten der Kirche die Treue zu halten. Fragen waren nach dem Statement Guggenbergers, bei dem das Domkapitel geschlossen hinter ihm stand, nicht zugelassen.




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