Letztes Update am Mi, 24.07.2019 13:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kfz-Industrie

1,3 Milliarden Euro Miese: Neuer Daimler-Boss startet mit roten Zahlen

Teure Probleme – und dies nicht nur mit dem Diesel – verhageln dem neuen Daimler-Chef Källenius den Start. Daimler schreibt im zweiten Quartal 1,3 Milliarden Verlust.

Ex-Daimler-Boss  Dieter Zetsche (li.) und sein Nachfolger, der Schwede Ola Kallenius.

© AFPEx-Daimler-Boss Dieter Zetsche (li.) und sein Nachfolger, der Schwede Ola Kallenius.



Stuttgart – Der neue Daimler-Chef Ola Källenius beginnt seine Zeit an der Spitze des Autobauers mit ungewohnt roten Zahlen. Schwächelnde Märkte weltweit und Anlaufschwierigkeiten mit neuen Modellen setzen dem Konzern mit Sitz in Stuttgart derzeit ebenso zu wie diverse teure Langzeit-Probleme - nicht nur mit dem Diesel.

Die Folge ist ein Milliardenverlust im zweiten Quartal, für das Daimler am Mittwoch die Zahlen vorlegte. Mit einer Trendwende in der zweiten Jahreshälfte soll das Ruder herumgerissen werden. „Wir wollen das Blatt wenden“, sagte Källenius vor allem mit Blick auf das Kerngeschäft mit Autos der Marke Mercedes-Benz.

Von Zetsche ausgegebene Ziele korrigiert

Für den Schweden ist es die erste Quartalsbilanz seit seinem Antritt vor zwei Monaten. Daimler verbucht für die Zeit von April bis Ende Juni einen auf die Aktionäre entfallenden Verlust von 1,3 Milliarden Euro. Vor dem sogenannten Abzug von Minderheiten sind es 1,2 Milliarden. Im zweiten Quartal des Vorjahres war unter dem Strich noch ein Gewinn von 1,7 Milliarden Euro gestanden.

Dass Källenius‘ Start-Quartal alles andere als gut ausfallen würde, war bereits absehbar. Die Anfang des Jahres noch unter seinem Vorgänger Dieter Zetsche ausgegebenen Ziele hatte der neue Vorstandschef schon kassiert und gleich zweimal nach unten korrigiert. Nach einem deutlichen Einbruch schon im vergangenen Jahr soll es nun 2019 noch weiter nach unten gehen mit dem Gewinn. In den kommenden Monaten erwartet der Konzern nun aber eine „spürbare Verbesserung“.

Strafrechtliche Ermittlungen

Erst vor einem Monat war ein weiterer Zwangsrückruf hinzugekommen, zudem untersuchen die Behörden immer noch weitere Modelle. Abgesehen von strafrechtlichen Ermittlungen gegen einzelne Mitarbeiter läuft auch noch ein sogenanntes Ordnungswidrigkeitenverfahren, das mit einer hohen Geldstrafe enden könnte. Und dann ist auch immer noch offen, welche finanziellen Folgen die Manipulationsvorwürfe in den USA haben werden.

Ein erweiterter Rückruf von Takata-Airbags schlägt mit einer weiteren zusätzlichen Milliarde in den Rückstellungen zu Buche. Zudem schreibt Daimler rund 500 Mio. Euro im Zuge einer „Priorisierung des Produktportfolios“ im Van-Bereich ab. Ob sich dahinter, wie vielfach vermutet, das schnelle Ende der erst 2017 vorgestellten Pick-ups der X-Klasse verbirgt, wollte Källenius auch nicht sagen.

Wo gespart wird bleibt offen

Källenius will nun alles noch mehr straffen, effizienter machen und womöglich auch Hand an die Modellpalette legen. Wo genau gespart werden soll, bleibt aber offen. Klar ist nur, dass es keinen aktiven Personalabbau geben soll. Der Konzern hatte eigentlich angekündigt, in der Pkw-Sparte bis 2021 zu einer Umsatzrendite von acht bis zehn Prozent zurückzukehren. Dass das langfristig das Ziel sei, bekräftigte Källenius am Mittwoch. Ob es bei 2021 bleibe, ließ er offen. Details soll es erst im Herbst geben – dann im Komplettpaket.

Die Hauptaufgabe bis dahin sei, das Problem mit der mangelnden Fahrzeugverfügbarkeit zu lösen, betonte der Vorstandschef. Daimler bekommt die neuen Modelle seiner bei den Kunden beliebten SUV nicht schnell genug auf den Markt. Da gebe es aber schon positive Signale. (APA, dpa)