Letztes Update am Fr, 09.08.2019 00:17

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mexikanisches Drogenkartell knüpfte Leichen an Brücke auf



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Ein Drogenkartell hat in Mexiko seine Brutalität in aller Öffentlichkeit zur Schau gestellt: Die Überreste von 19 Menschen wurden an einer Hauptstraße der Stadt Uruapan entdeckt. Sechs Leichen baumelten an Stricken von einer Brücke. Daneben hing eine große, bedruckte Plastikplane, auf der eine Warnung stand.

An zwei anderen Abschnitten der Straße lagen Leichenteile, manche davon in Plastiksackerl, wie die Staatsanwaltschaft des Teilstaates Michoacan mitteilte. Örtlichen Medienberichten zufolge machten Anrainer die schaurigen Funde am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit).

Manche der Toten wiesen nach Angaben des Generalstaatsanwalts von Michoacan, Adrian Lopez, Schusswunden auf. Unter den 19 Leichen seien die von drei Frauen, sagte er bei einer Pressekonferenz. Die Identität der Toten wurden zunächst nicht bekannt.

Das Plakat hing zwischen zwei der Leichen, wie auf einem Foto in örtlichen Medien zu sehen war. In dem Text hieß es, wer Angehörigen der rivalisierenden Bande Los Viagras helfe, werde so enden wie die Getöteten. Unterschrieben war er mit dem Namen des Kartells Jalisco Nueva Generacion (CJNG).

Generalstaatsanwalt Lopez sprach von einem Konflikt um die Kontrolle über den Drogenhandel in der Gegend. Teile Mexikos werden von mächtigen Drogenkartellen wie dem CJNG kontrolliert, die sich bisweilen blutige Machtkämpfe miteinander liefern.

In Uruapan, im Herzen eines der größten Avocado-Anbaugebiete der Welt, hatte im September 2006 ein bis dahin unbekanntes Kartell namens La Familia Michoacana fünf blutverschmierte Köpfe auf die Tanzfläche einer Bar geworfen.

Kurz darauf wurde Felipe Calderon Präsident von Mexiko. Nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt schickte er Tausende Soldaten und Bundespolizisten in die Schlacht gegen die „Narcos“. Die Gewalt eskalierte, bis 2011 verdoppelte sich die Zahl der Morde auf rund 22.000 pro Jahr. Machtdemonstrationen der Gangs durch das Zurschaustellen ihrer zahlreichen Todesopfer - wie nun erneut in Uruapan - waren keine Seltenheit mehr.

Nachdem sich die Lage zwischenzeitlich etwas entspannte, ist sie inzwischen unübersichtlicher denn je. Längst verdienen die Kartelle ihr Geld nicht mehr nur mit Drogenschmuggel, sondern sind auch in Erpressung, Benzindiebstahl und Menschenhandel verwickelt. Immer mehr kleine Banden mischen in dem blutigen Geschäft mit.

Im vergangenen Jahr erlebte Mexiko einen bisherigen Höchststand von fast 36.000 Morden. Zudem gelten rund 40.000 Menschen als verschwunden. Immer wieder werden Massengräber entdeckt.

Der seit vergangenem Dezember regierende Präsident Andres Manuel Lopez Obrador hat eine Nationalgarde aus Militärpolizisten geschaffen, um die Gewalt einzudämmen. Diese ist aber zu einem großen Teil an den Grenzen im Einsatz, um auf Druck der US-Regierung mittelamerikanische Migranten auf dem Weg in das nördliche Nachbarland aufzuhalten.

Der Innenminister von Michoacan, Carlos Herrera, twitterte am Donnerstag, der westlich von Mexiko-Stadt gelegene Teilstaat bitte um eine verstärkte Präsenz der Nationalgarde.




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