Letztes Update am Do, 12.04.2012 06:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sperrbezirk gegen Straßenstrich

Nach etlichen Haftstrafen für illegale Prostituierte beriefen Anwälte nun erfolgreich und orten „Hexenverfolgung“. Polizeidirektor Gerhard Ditz verteidigt aber den harten Kurs.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Ein rauer Wind weht seit längerer Zeit durch die nächtlichen Hauptverkehrsrouten von Innsbruck. Doch weniger hart geführte Revierkämpfe plagen die Damen des illegalen Straßenstrichs als noch nie dagewesene Polizeikontrollen. Die führen nicht nur zu massiver Geschäftsstörung, sondern auch zu harten Strafen. So landeten etliche Dirnen schon nach einer einzigen Vormerkung im Gefängnis. Eine Strafpraxis der Innsbrucker Polizei, die jetzt dem Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS) zu hart erschien.

Die Rechtsanwältepartner Andreas Oberhofer und Markus Abwerzger erreichten in gleich vier Fällen, dass eine Haftstrafe für bloßes Stehen auf der Straße oder Anbahnung im Internet in eine Geldstrafe umgewandelt wurde.

Anwalt Oberhofer: „Ein Richtersenat hielt sogar bei einer schon mehrfach vorgemerkten Erotikmasseuse eine Geldstrafe von 2600 Euro anstatt überzogenen drei Wochen Freiheitsstrafe für völlig ausreichend!“ Bei einer bislang zweifach wegen illegaler Prostitution vorbestraften Dame urteilte der UVS: „Der Geldstrafrahmen (3630 Euro) wurde bislang erst zu 17 Prozent ausgeschöpft. Vor diesem Hintergrund erscheint jetzt eine Freiheitsstrafe als völlig überzogen!“

Für Anwalt Oberhofer gleicht der derzeitige Zustand am Straßenstrich einer „Hexenverfolgung“. Sein Kollege Abwerzger ortet eine deutliche Verschärfung der Verfolgung seit dem neuen Landespolizeigesetz. So werde bereits aufreizendes Stehen auf der Straße als Anbahnung gewertet. Die beiden Juristen fordern deshalb auch für Innsbruck die Schaffung eines Sperrbezirks.

„Ein Sperrbezirk in einem Gewerbegebiet würde alle Probleme lösen. Der illegale Zuhälter-Straßenstrich würde einer selbstständigen Tätigkeit von angemeldeten und sozialversicherten Prostituierten weichen. Frauen und Freier würden nur profitieren, die Bürger der Stadt hingegen in Wohngebieten nicht mehr vom Rotlicht belästigt“, umreißen beide gegenüber der Tiroler Tageszeitung. In selbst angemieteten Wohnungen oder Containern innerhalb des Bezirks sollten die angemeldeten Damen ihre Dienste dann verrichten dürfen. Abwerzger: „Mit neuen Nobel-Bordellen ist niemandem geholfen. Nur ganz wenige Freier können sich 250 Euro pro Besuch leisten.“

Trotz der Kritik will Polizeidirektor Gerhard Ditz am Kurs der Polizei festhalten: „Es gibt viele Anzeigen, die Leute fühlen sich belästigt. Deshalb greifen wir weiter mit null Toleranz durch!“ Laut Ditz führten die vermehrten Kontrollen auch schon dazu, dass „deutlich weniger solcher Damen auf Innsbrucks Straßen zu sehen sind“.




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