Letztes Update am Mo, 11.06.2012 11:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Messehalle Innsbruck: Aus Neu wird wieder Alt



Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Die Innsbrucker Messehalle B bekommt endlich wieder ihr ursprüngliches Aussehen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Die weiße Heraklithfassade, hinter der das historische Bauwerk bisher versteckt lag, wurde entfernt. „Das war eigentlich beim Wettbewerb zum Messeneubau nicht geplant, aber als wir die denkmalgeschützte Halle sanieren wollten, zeigte sich die wunderschöne Holz-Stahl-Konstruktion“, erzählt Werner Jud vom Bundesdenkmalamt.

Das großartige Original wurde bereits freigelegt, das Fensterglas – das so nah wie möglich an die historische Vorlage herankommen soll – wurde bestellt. Noch verdeckt ein Gerüst den Blick auf das Stück Architekturgeschichte, das in rund zwei Monaten in neuem Glanz erstrahlen soll. Welche Vergangenheit die Halle hat, wissen laut Jud nur die Wenigsten. Das Gebäude wurde nicht in Innsbruck errichtet, sondern stand auf der Weltausstellung in Prag 1891. Danach wurde es laut Jud zerlegt und 1892/93 in Innsbruck wieder aufgebaut. Dass dies möglich war, hat mit der Bauweise der Halle zu tun, erklärt Jud. „Es ist ein Stahlfachwerkbau in der Tradition der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Stahlteile wurden wie beim Eiffelturm zusammengeschraubt und deshalb konnte man sie auch leicht zerlegen.“ In der Monarchie fanden im Gebäude ebenfalls Ausstellungen statt, in Kriegszeiten soll das Gebäude als Lager gedient haben, nach Kriegsende wurde es mit der Hera­klithfassade „zugedeckt“. Warum das geschehen ist, lässt sich heute nur noch vermuten. „Vielleicht hat man die Kosten gescheut, die die Sanierung der alten Konstruktion mit sich gebracht hätten“, sagt Jud. Dass der Rückbau auch heute nicht billig ist, weiß der Denkmalschützer. „Es war daher verständlicherweise nicht ganz leicht, die Sache ins Rollen zu bringen.“ Doch letztendlich haben sich Ministerium, Landesgedächtnisstiftung und Bauherrin – die Congress und Messe GmbH – dazu entschlossen, Gelder für das Baujuwel zur Verfügung zu stellen. Über die Restaurierungssumme will Jud nichts sagen, kolportiert werden aber rund 250.000 Euro.




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