Letztes Update am Mo, 06.02.2012 18:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Volle Haftung für Pistenkante

Nach Stürzen haften die Glungezer Bergbahnen für zu hohe und unzureichend markierte Präparierungskanten entlang einer Skipiste. Die Bahn hat sofort reagiert.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Ein rechtskräftiges Urteil – ausgelöst ausgerechnet durch einen Tourengeher – dürfte nun für Liftbetreiber weiteren Präparierungsaufwand bedeuten. So müssen Bergbahnen durch Pistengeräte entstandene Präparierungskanten am Pistenrand künftig beseitigen oder durch entsprechende Markierung absichern.

Auslöser war ein Unfall eines Tourengehers im Skigebiet der Glungezer Bergbahnen im Jänner 2010, der mit einem Schulterbruch geendet hatte. Der Tourengeher hatte sich zwecks Teilaufstiegs damals eine Liftkarte gekauft und war später nach einer Pulverabfahrt auf die mittelschwer markierte Piste 5 eingefahren. Durch schlechte Sichtverhältnisse hatte er nicht erkannt, dass er schon bald wieder die Piste verlassen hatte – ist der dortige Bereich doch durch Tourengeherspuren regelmäßig von pistenähnlicher Beschaffenheit. Als der Verirrte dies bemerkte und wieder auf die Piste zurückfahren wollte, rechnete er jedoch nicht mit der 60 Zentimeter hohen Präparierungskante durch die Pistenraupe und kam erst sieben Meter nach der Kollision wieder zu liegen.

Der Innsbrucker Rechtsanwalt Günther Egger klagte für den Verletzten darauf 14.265 Euro ein. Das Landesgericht bestätigte Eggers Klage in vollem Umfang rechtskräftig – vielleicht auch, da einige Zeit später ein ganz ähnlicher Unfall Klagsgegenstand war. Umsonst hatten die Bergbahnen argumentiert, dass der Tourengeher eben durch Einfahrt aus dem freien Skiraum zu Sturz gekommen wäre. „Der Pistenbetreiber ist für die Einhaltung der Sicherheitsstandards verantwortlich und daher verpflichtet, die von ihm betriebenen Pisten zu sichern und dort entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen, wo dem Skifahrer nicht oder nur schwer erkennbare Hindernisse oder Gefahren drohen und muss ein Pistenhalter damit rechnen, dass insbesondere bei ungünstigen Sichtverhältnissen sowie mangels ausreichender Maßnahmen von der Piste abgekommene Skifahrer danach trachten werden, wieder auf die Piste zurückzukehren, sodass auch für diesen Fall im Nahbereich der Piste gelegene außergewöhnliche Gefahrenquellen, etwa durch Pistengeräte abgeworfene Schneewechten zu entfernen oder so abzusichern sind, dass sie auch bei widrigen Sichtverhältnissen für vernünftige Durchschnittsfahrer keine ernstliche Gefahr darstellen“, urteilte Richter Robert Rerych. Anwalt Egger: „Aufgrund der Entscheidung steht fest, dass Skitourengeher, die sich zwecks Aufstiegshilfe eines Liftes bedienen und bei Rückkehr der Skitour auf die Piste zurückkehren, in den gleichen Schutzbereich wie alpine Skifahrer fallen.“




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