Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 03.09.2013


Infrastruktur platzt aus allen Nähten

Zwei Dinge sind in Hart Mangelware: Grabstätten und Kindergartenplätze. Letztere sollen durch Umbaumaßnahmen geschaffen werden. Bei der Friedhofserweiterung sind Pfarre und Gemeinde noch uneins.

© Angela DählingAuf die Grünfläche unterhalb der Kirche kommt kein neues Amtsgebäude. Stattdessen sollen laut Gemeinderatsbeschluss das Schulgebäude (links im Bild) und das daran anschließende Gemeindeamt aufgestockt werden, um Platz für zwei weitere Kindergartengruppen zu schaffen.Foto: Dähling



Von Angela Dähling

Hart i. Z. – Die besonders sonnig gelegene Gemeinde Hart wächst. Doch nicht nur neue Mitbürger, sondern auch, dass laut Bürgermeister Alois Eberharter „viele gebürtige Harter jetzt in einem Alter sind, in dem sie Kinder kriegen“, stellt die Gemeinde vor neue Herausforderungen. Vor elf Jahren erfolgte im Zuge der Schulerweiterung ein Anbau für eine weitere Kindergartengruppe. „Da dachte man, damit für die nächsten 20 Jahre das Auslangen zu finden“, schildert der Dorfchef. Doch die zwei Gruppenräume für insgesamt 50 Kinder sind inzwischen bis auf den letzten Platz gefüllt. „Wir können heuer keine Dreijährigen aufnehmen“, bedauert Eberharter.

Gegenüber dem Kindergartenanbau, unterhalb der Kirche, hätte die Gemeinde gerne ein neues Amtsgebäude mit 18 Tiefgaragenplätzen errichtet, um in den bestehenden Amtsräumlichkeiten Platz für den Kindergarten zu schaffen. Doch der Grund gehört der Pfarre. „Und die würde auf diesem Areal gern den Friedhof erweitern lassen“, sagt der Bürgermeister. Der Friedhof ist allerdings Gemeindesache. „Ich halte die Friedhofserweiterung gegenüber vom Kindergarten nicht für sinnvoll, zumal die Gemeinde oberhalb der Kirche seit 1990 ein Grundstück gepachtet hat, das für die Friedhofserweiterung vorgesehen war“, erklärt Eberharter. Als dort 1997 eine Leichenhalle errichtet wurde, stieg der Pachtzins auf einen üblichen Friedhofspachtzins an. Nun reicht der Grund für die Erweiterung nicht aus. Die Gemeinde müsste angrenzend weiteren Grund von der Pfarre, die zur Diözese Salzburg gehört, pachten.

Weil in der Standortfrage der Friedhofserweiterung bislang keine Einigung zwischen Gemeinde und Pfarre zu erzielen war, hat die Gemeinde das Projekt vorerst auf Eis gelegt und sich stattdessen der Erweiterung des Kindergartens angenommen. Statt eines Amtgebäude-Neubaus ist nun geplant, das Dachgeschoß des bestehenden Gemeindeamtes auszubauen und mit einem Flachdach zu versehen. So würde hier Platz für eine dritte Kindergartengruppe samt Bewegungs- und Ruheraum geschaffen. In einer zweiten Bauphase sollen auf dem Dach des bestehenden Schulhauses das neue Gemeindeamt sowie eine Dachterrasse für den Kindergarten entstehen. Im dritten Baujahr würde in den derzeitigen Amtsräumen Platz für eine vierte Kindergartengruppe inklusive einer Küche geschaffen werden. Ein Zubau im Norden (bergwärts) des jetzigen Kindergartens würde auf dessen Dach zudem eine Parkplatzerweiterung neben dem Gemeindeamt möglich machen. Laut Plänen und Berechnungen des örtlichen Raumplaners werden die geschätzten Kosten für das Gesamtprojekt mit 1,6 Mio. Euro brutto beziffert. Der Gemeinderat hat vorige Woche die Um- und Ausbaumaßnahmen beschlossen. Die Friedhofserweiterung hätte laut Eberharter aber eigentlich Vorrang.

Josef Kreidl vom Pfarrkirchenrat geht davon aus, dass es hier bald zu einer Einigung kommt. „Denn eigentlich haben wir alle das gleiche Ziel: den besten Platz dafür zu finden“, meint er.




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