Letztes Update am Fr, 24.05.2013 23:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wissenschafter richten Isel-Manifest an Minister

Österreichische Botaniker, Biologen und andere Experten appellieren an die Politik: Kraftwerk ist mit Schutz der Tamariske unvereinbar.



Von Catharina Oblasser

Lienz, Wien – Post für die hohe Politik: Unter der Federführung von Georg Grabherr ergeht ein dreiseitiger Brief zum Thema Isel an Minister Nikolaus Berlakovich, an Landeshauptmann Günther Platter und an seine neue Stellvertreterin Ingrid Felipe. Grabherr ist ein renommierter Ökologe. Er war bis 2011 Vorstand des Departments für Naturschutzbiologie und Landschaftsökologie der Uni Wien und lehrte lange Jahre in Innsbruck. „Die Isel ist, was Hydrologie und Habitatsgliederung angeht, noch ziemlich in Ordnung. Heutzutage ist das ein hohes Gut bei Flüssen“, erklärt Grabherr der TT, warum die Isel so schützenswert ist.

In seinem Brief warnt Grabherr vor Kraftwerksprojekten an der Isel oder den Zubringern Schwarzach, Kalserbach und Tauernbach. Solche Kraftwerke seien nicht mit dem Schutz der Tamariske vereinbar. „Damit sind sie abzulehnen“, schreibt der Ökologe und fordert die drei Politiker auf, „engagiert für den Schutz der Deutschen Tamariske einzutreten und allen Kraftwerksvorhaben an der Isel eine deutliche Absage zu erteilen“. Grabherr stützt sich dabei auch auf die neue Studie von Armin Landmann (siehe Kasten rechts) und dessen Kritik an mangelhaften UVE-Unterlagen.

Der Wissenschafter bleibt mit seinem Appell nicht allein. Mit ihm haben Experten wie Bernd Lötsch (Direktor des Naturhistorischen Museums Wien) sowie Botaniker, Hydrobiologen oder Limnologen der Unis Innsbruck, Erfurt, Graz, Wien und der Universität für Bodenkultur den Brief an die Politik unterzeichnet. Weitere Unterstützer sollen folgen.

BM Anton Steiner (Prägraten) hat wenig Verständnis für diesen Vorstoß. „Alle diese Wissenschafter sind eingeladen, ihren Hauptwohnsitz nach Prägraten oder Virgen zu verlegen und 52 Wochen im Jahr hier zu sein. Dann könnten sie die Sorgen und Existenzängste unserer Bevölkerung wohl besser verstehen“, begründet Steiner das unumstößliche Festhalten an den Kraftwerksplänen. „Für die Sicherung unseres Lebensraumes hat es in den letzten Jahren keinen einzigen Alternativvorschlag zum Kraftwerk gegeben.“




Kommentieren