Letztes Update am Mo, 21.05.2012 11:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Uni Innsbruck bringt Autos zum Plaudern



Innsbruck – Andere Verkehrsteilnehmer wütend zu beschimpfen, könnte bald der Vergangenheit angehören: Wenn es nach Falko Dressler geht, dem Leiter des Lehrstuhls für Technische Informatik an der Universität Innsbruck, werden Autofahrer durch Fahrzeugkommunikation bald präzise Informationen über die Pkw in ihrer Umgebung erhalten – und wissen, wo der nächste Verkehrsstau droht.

Der deutsche Forscher entwirft derzeit mit einem achtköpfigen Team Sensornetzwerke, die elektronische Geräte miteinander kommunizieren lassen. „Dabei sind diese im Gegensatz zum Menschen nicht unglücklich, wenn zum Beispiel ein Download lange dauert“, erklärt Dressler. Das dürfen die Kleinst-Computer – manche wiegen nur zwei Gramm – auch nicht sein. Geht es doch nicht in erster Linie um Schnelligkeit, sondern um Energieeffizienz. „Um die Energieniveaus der Sensorsysteme bestmöglich zu nutzen, müssen sie die Daten zum richtigen Zeitpunkt kommunizieren“ sagt Dressler. So können zum Beispiel in der Logistik kleine Computersysteme Warenlieferungen überwachen und durch Temperatur- oder Schocksensoren sofort melden, wenn eine Ware während der Fahrt beschädigt wurde.

Weil Sensoren bemerken, was dem menschlichen Auge oft verborgen bleibt, sollen ähnliche Netzwerke in Zukunft mit einem neuen Übertragungsstandard (DSRC/Wave) auch zwischen Autos eingesetzt werden. „Dieses spezielle Protokoll ist im Gegensatz zu Wifi mehr auf Robustheit ausgelegt“, sagt Dressler. Ein solches System hilft zu erkennen, was man als Fahrer nicht sehen kann: „Man weiß zum Beispiel, ob hinter einem hohen Haus ein Auto auf die Kreuzung zufährt, das einem die Vorfahrt nehmen könnte“, erklärt Dressler. Der Forscher ist sich sicher, dass die neue Technologie, die von den großen Automobilherstellern unterstützt wird, in ungefähr vier Jahren starten wird. Zum Preis der gesprächigen Autos kann Dressler derzeit natürlich noch nichts sagen. (cs)




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