Letztes Update am Do, 04.10.2012 11:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Huber denkt über Kneissl-Kauf nach

An der Kneissl-Spitze kracht es. Scheich Al Jaber hat das Unternehmen noch immer nicht ganz übernommen und liegt mit Miteigentümer Huber im Clinch. Huber überlegt nun seinerseits, Kneissl zu übernehmen.



Von Max Strozzi

Kufstein – Bei Kneissl geht es wieder rund. Nachdem die Gläubiger im Zuge des Insolvenzverfahrens den Sanierungsplan abgesegnet hatten, hatte Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber angekündigt, 100 % von Kneissl zu übernehmen, um „Kneissl nach seinen Wünschen zu gestalten“. Das war Ende Jänner.

Knapp acht Monate später hat sich an der Eigentümerstruktur bei Kneissl immer noch nichts geändert. Al Jabers JJA Beteiligungsverwaltungs GmbH hält immer noch 60,03 % an der Kneissl Holding, die UBH Unternehmensberatung des Kufsteiner Unternehmers und BZÖ-Politikers Simon Hermann Huber hält immer noch 39,97 %. „Die Übernahme ist nur noch ein Formalakt“, lässt Al Jaber über einen Sprecher ausrichten.

In den Augen von Kneissl-Miteigner Hermann-Simon Huber sieht das anders aus. „Ich habe mit der Gruppe (Al Jabers JJA, Anm.) keine Gesprächsbasis, um dieses Thema weiterzuführen, sagt Huber gegenüber der TT. „Der Scheich wollte vor der Insolvenz eine Kapitalaufstockung durchführen, damit die Firma nicht insolvent wird. Dann hätte ich meine Beteiligung auf knapp 1 Prozent reduziert. Die Kapitalaufstockung hat nicht stattgefunden, daher bin ich geblieben“, schildert Huber.

Bei der Generalversammlung am 11. Oktober überlegt er, in die Offensive zu gehen. „Ich schließe nicht aus, der Al-Jaber-Gruppe ein Angebot zu machen, mir ihre Anteile zu verkaufen. Denn gemeinsam wird es nicht funktionieren“, kündigt Huber an. Aus seiner Sicht müsse Kneissl „wieder auf kleiner Flamme“ geführt werden. „Die Kernkompetenz von Kneissl ist die Skiproduktion. Skibekleidung ist eine Überlegung, wäre mir aber zu aufwändig“, so Huber: „Man muss zurück zu den Wurzeln. Kneissl hat mit Skiern Olympiasiege errungen, nicht mit Skihosen.“ Die Hotelschiene sieht er kritisch.

Al Jaber hält indes an seiner 100 %-Übernahme fest. „Der Scheich wird bis Ende des Jahres mitteilen, wie es weitergeht. Wir arbeiten an den Plänen“, so ein Sprecher Al Jabers. Kneissl sei überdies erstmals schuldenfrei, betont der Sprecher. Die Gläubiger mussten im Zuge der Sanierung freilich auf 80 % ihrer Forderungen verzichten.

Bei Kneissl läuft der Betrieb derzeit noch „eingeschränkt“, berichtet Dieter Weinreich, Geschäftsführer der Kneissl Tirol GmbH. Momentan würden hauptsächlich Skier aus dem Lager verkauft, auch der Shop in Kufstein sei offen. Im Werk in Kufstein seien seit der Sanierung zudem rund 500 bis 1000 Skier produziert worden. „Wir sind aber bereit für die Produktion mit allen Maschinen“, so Weinreich. Kleidung lasse Kneissl derzeit keine herstellen. Wie es weitergeht, soll sich bei der Generalversammlung entscheiden.




Kommentieren