Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Osttirol

Mit gezielter Planung fit für den Arbeitsmarkt werden

Jobsuchenden und Wiedereinsteigerinnen unter die Arme greifen will das neue FrauenBerufsZentrum Osttirol, das gestern eröffnet wurde.

null

© Funder



Von Claudia Funder

Lienz – Frauen verdienen österreichweit im Schnitt weniger als ihre männlichen Kollegen, in diesem Punkt ist Osttirol nicht anders. Viele finden mit ihrem Einkommen allein kein Auskommen. Die Gründe reichen vom gesellschaftlichen Verständnis von Arbeit und immer noch im Kopf festsitzenden, alten Rollenbildern bei der Jobwahl über geringe Ausbildung bis zu Berufspausen wegen Kinderbetreuung. All das bremst die Möglichkeiten, aber auch das Selbstbewusstsein ein. Frau traut sich oft wenig zu, tritt viel zu bescheiden auf und deshalb auf der Stelle.

Durch Orientierung, Erkennen von Stärken und zielgerichtete Planung erhöht sich nicht nur der Handlungsradius, sondern auch die Erfolgschance. Hier setzt das neue FrauenBerufsZentrum Osttirol an, das gestern in der Schweizergasse 26 in Lienz eröffnet wurde. Die Beratungseinrichtung, die 2014 in Innsbruck als Pilotprojekt startete und bereits über Standorte in Schwaz, Wörgl und Landeck verfügt, unterstützt im Auftrag des Arbeitsmarktservices (AMS) Frauen in beruflichen Fragen. Voraussetzung ist die Vormerkung beim AMS.

Träger der neuen Einrichtung ist V_ega, Verein zur Förderung der Gleichstellung.

Itta Tenschert wird die Beratung betreuen. Die Psychologin ist Unterländerin und quasi „umgekehrte Pendlerin“, wie sie mit einem Schmunzeln betont: „Viele Osttiroler pendeln aus, ich ein.“ Sie freut sich auf ihre Aufgabe und auch über die Nähe zum Frauenzentrum Osttirol, die manche Kooperation in Aussicht stellt. „Diese ergab sich zufällig, weil hier Räumlichkeiten frei wurden. Die Nähe wird Synergien ermöglichen.“

Im FrauenBerufsZentrum finde „Beratung, aber auch Ermutigung zur Bildung, Vermittlung und Information statt“, erklärt Sabine Platzer-Werlberger, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Tirol. „Frauen brauchen praxisnahe, lebbare Konzepte.“ Durch Einzelcoaching, aber auch im Rahmen von Workshops werden sie fit für den Arbeitsmarkt gemacht.

Doris Batkowski, Leiterin des AMS Lienz, machte auf die problematische Situation vieler Frauen aufmerksam. Teilzeit sei weiblich. Es gebe frauenspezifische Hemmschuhe, etwa durch Kinderbetreuung oder Pflege. Und: Frauen setzen häufig nicht auf Vielfalt. „Über die Hälfte aller Mädchen wählen zwischen nur drei Lehrberufen aus: Friseurin, Bürokauffrau und Verkäuferin“, betont Batkowski. Auch das schlage sich langfristig in der Entlohnung nieder. Die Realisierung des neuen Angebotes freut Batkowski sehr: „Es ist ein Grund zum Feiern, dass wir nun auch in Osttirol ein FrauenBerufsZentrum haben.“

Die Lienzer Gemeinderätin Gerlinde Kieberl (GUT) vertrat bei der Eröffnung im Auftrag von BM Elisabeth Blanik die Stadtgemeinde: „Ich habe keine Zweifel, dass es so eine Einrichtung braucht und sie gut funktionieren wird.“ Von Seiten der Stadt werde jene Unterstützung, die benötigt wird, gewährt werden.