Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.11.2017


Arbeitsmarkt

Tirol seit 2015 Bester auf Arbeitsmarkt

Tirol hat das größte Plus bei Jobs und den größten Rückgang bei Arbeitslosen. Land Tirol und AMS wollen noch enger kooperieren.

© Land TirolLH Günther Platter (links) und AMS-Chef Anton Kern.Foto: Land Tirol/Sax



Innsbruck – Seit Oktober 2015 gehen in Tirol (als damals noch einzigem Bundesland) die Arbeitslosenzahlen ununterbrochen zurück, bundesweit ist das erst seit einigen Monaten der Fall. In diesen zwei Jahren ist die Arbeitslosigkeit um über 4500 Personen oder 16 Prozent auf knapp 23.600 gesunken. „In keinem anderen Bundesland war der Rückgang so groß“, sagt Tirols AMS-Chef Anton Kern (wurde erst jüngst für weitere sechs Jahre in seiner Funktion verlängert). Gleichzeitig hatte Tirol auch das größte Plus bei Arbeitsplätzen: Die Zahl der Beschäftigten stieg in den letzten beiden Jahren um 13.800 oder 4,35 Prozent auf fast 331.000 an.

„Man kann auf die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt auf zwei Arten reagieren: zusehen und hoffen oder anpacken und handeln. Wir haben uns klar für Letzteres entschieden“, sagt LH Günther Platter und verweist auf Initiativen wie das „anfangs von einigen belächelte“ Impulspaket oder den Beschäftigungspakt. Das Land gebe jährlich 12 bis 13 Mio. Euro für die Arbeitnehmerförderung aus, davon fließen etwa 6 Mio. Euro in Initiativen mit dem AMS. Tirol sei etwa das einzige Bundesland, das eine Beihilfe für den Fachabschluss im zweiten Bildungsweg gewähre, lobt Kern. Äußerst wichtig seien auch betriebsübergreifende Lehrausbildungen oder Stiftungen, aber auch Förderungen wie DOWAS.

Dass Tirol eine so gute Arbeitsmarkt-Entwicklung habe, sei auch Folge des guten Branchenmixes von der Industrie bis hin zum Tourismus, betonen Platter und Kern.

Neben einem guten Wirtschaftsklima gehe es auch darum, sich für die erwarteten Zukunftstrends zu rüsten. Es werde vor allem auch mehr Fachkräfte in den Bereichen Soziales, Gesundheit, Pflege bis hin zum Tourismus brauchen, so Platter. Die Digitalisierung werde zu einem großen Bedarf an Umschulung und Neuqualifizierung führen. Weiter verstärken werde man auch die Bemühungen für die Lehre, kündigt der Landeshauptmann an. „Es wird zwar nicht jeder wie der frühere Lehrling Rudolf Kirchschläger Bundespräsident oder wie ich Landeshauptmann werden, es gibt mit einer Lehre aber alle Chancen der Welt.“

Angesichts mancher Befürchtungen, dass eine neue schwarz-blaue Regierung die soeben erst beschlossene und gestarte „Aktion 20.000“ wieder kippen könnte, plädiert Kern für eine Fortführung, allenfalls mit Adaptierungen. In Tirol habe man bisher 71 Personen in Beschäftigung gebracht, weitere 76 Stellen seien bereits verfügbar. Platter will keine Zwischenrufe in die Koalitionsgespräche. „Aber wenn Anton Kern sagt, die Aktion macht Sinn, dann habe ich keinen Grund, daran auch nur im Geringsten zu zweifeln.“ (va)