Letztes Update am Di, 02.01.2018 15:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit in Tirol sinkt weiter, Rückgang auch 2018 erwartet

Die Arbeitslosenquote in Tirol sank mit Jahresende auf 5,1 Prozent. AMS-Chef Anton Kern rechnet für 2018 mit einem weiteren – wenn auch verhaltenen – Rückgang. Die Reaktionen auf das von der neuen Regierung beschlossene Aus für die Aktion 20.000 und den Beschäftigungsbonus fallen zwiespältig aus.

© TT/Thomas BoehmDas Tiroler Arbeitsmarktservice fährt die Förderungen für den zweiten Arbeitsmarkt um 20 Prozent zurück. Kündigungen drohen.



Innsbruck – Einmal mehr positive Nachrichten gibt es zum Jahresbeginn vom Arbeitsmarktservice (AMS): Sowohl bundesweit, als auch in Tirol ist die Arbeitslosigkeit im Dezember weiter zurückgegangen. In Tirol waren zum Stichtag 31. Dezember 18.727 Menschen arbeitslos, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent (Dezember 2016: sechs Prozent).

Die Dezemberdaten sind laut AMS-Tirol-Chef Anton Kern exemplarisch für die Jahresentwicklung 2017. Ein erster Blick auf die vorläufige Bilanz des vergangenen Jahres verdeutliche die positive Entwicklung am Tiroler Arbeitsmarkt, so Kern in einer Aussendung. Die Arbeitslosigkeit habe im vergangenen Jahr um 8,7 Prozent auf 20.343 Personen abgenommen (bundesweit um 2,9 Prozent auf durchschnittlich 412.074 Personen). „Die vorläufige Arbeitslosenquote 2017 beträgt somit 5,8 Prozent und wird deutlich unter der Arbeitslosenquote von 2016 (6,4 Prozent) zu liegen kommen“, fasste Kern die ersten vorliegenden Daten zusammen.

Positive Aussichten auf 2018

Dieser positive Trend werde sich auch im Jahr 2018 fortsetzten, prognostizierte Kern. „Die Dynamik am heimischen Arbeitsmarkt bleibt weiterhin hoch und wird für steigende Beschäftigungszahlen und sinkende Arbeitslosigkeit – wenn auch etwas verhaltener als 2017 – sorgen“, so Kern. Man rechne mit einem Beschäftigungswachstum von rund 2,0 Prozent (+ 6600 Personen) und einem Rückgang der Arbeitslosigkeit von rund 6,4 Prozent. „Sollten unsere Prognosen stabil bleiben, wird sich dadurch die Arbeitslosenquote abermals verringern und für 2018 rund 5,4 Prozent betragen“, so Kern.

Auch österreichweit sind die Erwartungen für 2018 positiv. „Weiter steigende Stellenmeldungen sowie alle vorliegenden Prognosen lassen einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit über das ganze heurige Jahr erwarten“, twitterte AMS-Chef Johannes Kopf am Dienstag. In allen Bundesländern, großen Branchen sowie bei jung und alt fänden sich rückläufige Vorgemerktenzahlen. Vor allem an der Entwicklung der offenen Stellen zeige sich, dass der starke Aufwärtstrend in der österreichischen Wirtschaft weiter anhalte. Die Zahl der gemeldeten sofort verfügbaren offenen Arbeitsplätze liegt laut AMS Ende Dezember mit 54.818 nunmehr um plus 31 Prozent über dem Vorjahreswert.

Ein anderer, noch aussagekräftigerer Indikator für die starke Arbeitskräftenachfrage ist demnach der gesamte Zugang an offenen Stellen beim AMS 2017: dieser Wert lag um rund plus 15 Prozent über dem des Jahres 2016.

Zwiespältige Reaktionen auf Aus der Aktion 20.000

Dass die erst im Vorjahr unter der rot-schwarzen-Regierung eingeführte Aktion 20.000 zugunsten von älteren Langzeitarbeitslosen nun von der neuen schwarz-blauen Koalition eingestellt wird, findet der Tiroler AMS-Chef Kern „schade, weil die Aktion 20.000 in den Pilotregionen Innsbruck und Innsbruck Land gut angelaufen ist und Chancen für ältere Langzeitarbeitslose bringt“.

Kopf hingegen unterstützt die Streichung der Aktion 20.000 und des Beschäftigungsbonus, der mit 31. Jänner vorzeitig ausläuft: Diese Programme seien derzeit aufgrund des „enormen Beschäftigungswachstums“ und der „brummenden Wirtschaft“ nicht notwendig und könnten anderweitig besser eingesetzt werden. Denn zusätzliche Mittel für den Arbeitsmarkt werde es nicht geben, so Kopf.

Ex-Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) bekräftigte seine Kritik am Aus am Dienstag im ORF-Radio: Die ÖVP/FPÖ-Regierung lasse die Über-50-Jährigen Arbeitslosen im Stich, diese würden durch billige Arbeitskräfte aus Nachbarländern ersetzt, monierte Kern. (TT.com)