Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.01.2018


Bezirk Reutte

Arbeitslosenquote im Bezirk Reutte auf tiefstem Wert seit 30 Jahren

Vom Rückgang der Arbeitslosigkeit profitierten alle Berufsgruppen. Im Juli 2017 waren nur noch 333 Personen als arbeitslos vorgemerkt.

© TscholIm Jahr 2017 erfolgten beim AMS Reutte insgesamt 4664 Neuanmeldungen in die Arbeitslosigkeit.



Von Simone Tschol

Reutte – Der „klassische Arbeitslose“ im Bezirk Reutte ist österreichischer Staatsbürger, weiblich, hat einen Pflichtschulabschluss, keine abgeschlossene Berufsausbildung und war zuletzt in einem Fremdenverkehrsberuf tätig. Dies ergibt sich aus der Statistik 2017 des Arbeitsmarktservice Reutte.

Demnach waren 3308 Personen, davon 1683 Frauen und 1625 Männer, im Vorjahr zumindest einmal von Arbeitslosigkeit betroffen. Bei einem Arbeitskräftepotenzial von 14.074 Personen bedeutet dies (zumindest statistisch), dass 23,50 Prozent arbeitslos wurden.

Das AMS Reutte wendete im vergangenen Jahr für die Unterstützung während der Arbeitslosigkeit und für Altersteilzeitgeld, Pensionsvorschuss, Schulungen und Individualförderungen insgesamt 11,126.933 Euro auf. In mehr als 200 Fällen wurden nach Nichteinhaltung der Kon­trollmeldung oder vereitelter Arbeitsaufnahme der Leistungsbezug gekürzt, in neun Fällen gänzlich eingestellt.

Die Gefahr, überhaupt eine Phase der Arbeitslosigkeit erleben zu müssen, war bei Frauen mit 26,12 Prozent wesentlich höher als bei Männern (21,29 Prozent). Der Arbeitslosenstand war im Jahreslauf sehr unterschiedlich. Die meisten Vorgemerkten gab es im November mit 1367 Personen, den Tiefststand im Juli mit 333. Jeder Arbeitslose war 2017 im Durchschnitt 55 Tage ohne Job (Österreich: 127).

Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit sank um 9 Prozent, dadurch errechnet sich eine Arbeitslosenquote von 4,7 Prozent. „Das ist im Langzeitvergleich von 30 Jahren der niedrigste Wert für den Bezirk Reutte“, erklärt AMS-Leiter Klaus Witting.

Der Tourismus, und hier im Speziellen die „Lechgemeinden“ und das Tannheimer Tal, profitierten von einer Zunahme an deutschen Gästen. Der Zuzug von ausländischen Arbeitskräften in den Tourismusbereich hält weiter an. Auch die Auftragslage in den Industriebetrieben zeigte im Vorjahr eine durchweg positive Entwicklung. Sowohl beim Leitbetrieb, der Plansee Unternehmensgruppe, als auch bei der Firma Multivac war der Auslastungsgrad hoch. Beide hätten einen zusätzlichen Arbeitskräftebedarf.

Große Investitionen in die Gebäudeinfrastruktur bei Groß- und Mittelbetrieben belebten den Bau- und Baunebensektor enorm. Nicht zuletzt durch den Wohn- und Siedlungsbau hatte die Bauwirtschaft ein positives Jahr.

Der Sozial- und Gesundheitsbereich ist auch im Bezirk Reutte eine stark wachsende Wirtschaftsbranche. Die Stellenmeldungen zeigen, dass der Bedarf an ausgebildeten Pflegefachkräften bis hin zu Ärzten momentan nicht abgedeckt werden kann. Witting: „Im Handel wurden im Jahr 2017 mehr offene Stellen gemeldet, auch die Anzahl der Arbeitsplätze war steigend. Die Vollzeitarbeitsplätze sind aber leider nicht im gleichen Maße gestiegen.“ Die rückläufige Ertragssituation des Bankensektors war auch 2017 weiter merklich.

Mittlerweile sind auch die niedrigen Geburtsraten deutlich spürbar. Was für die Wirtschaft zum Problem wird, erweist sich für Jugendliche als große Chance. Weiterführende Schulen und Lehrbetriebe konkurrieren immer stärker miteinander. Für Jugendliche wird es dadurch leichter, einen angestrebten Schul- oder Ausbildungsplatz zu bekommen.