Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.02.2018


Bezirk Reutte

Eigene Lehrlingswerkstatt wirkt wie Magnet auf Jugend

Das Reuttener Autohaus Schweiger geht im Ringen um Lehrlinge neue Wege. Der Nachwuchs wird in einer eigenen Halle betreut.

© Mittermayr HelmutMittwochfrüh in der Lehrlingswerkstätte des Autohauses Schweiger: Fabian Zaggl, Ausbildner Johannes Wachter, Benjamin Beirer und Horst Wagner (v. l.). Im Hintergrund verfolgen die Chefleute Simon und Hans Schweiger sowie Serviceleiter Christian Valetitsch das Geschehen. Foto: Mittermayr



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Vorbei die Zeit, in der man zähneknirschend zusehen musste, wie Lehrlinge bei vermeintlich attraktiveren Arbeitgebern vorstellig wurden. Das Reuttener Autohaus Schweiger begegnete der immer knapperen Ressource „Lehrling“ mit dem Bau einer eigenen Lehrlingswerkstatt, die im Sommer 2017 eröffnete. Eineinhalb Millionen Euro nahmen Hans und Simon Schweiger in die Hand, um eine eigene 200 m² große Halle auf die grüne Wiese zu stellen, die modernst eingerichtet nur einen Zweck erfüllen soll – Kfz-Technik-Lehrlingen das bestdenkbare Umfeld zu bieten.

Hans Schweiger: „Früher war es ehrlich gesagt ja oft so, dass Lehrlinge einem Gesellen zugeteilt waren, der sie unter persönlichem Zeitdruck stehend nur jene Arbeiten machen ließ, die er selber nicht gern tun wollte. Das war oft sehr unbefriedigend.“ Schweiger schildert gemeinsam mit Serviceleiter Christian Valetitsch, was sich geändert hat. „Jetzt kümmert sich mit Johannes Wachter ein eigener Meister als Lehrlingsausbildner um die Jugend. Er ist mit Leib und Seele bei der Sache und geht in seiner Berufung auf“, freut sich der größte VW-Autohändler Österreichs. In der Halle werden Neuwagen verkaufsbereit gemacht, Gebrauchtwagen aller Marken instand gesetzt und Reparaturen vorgenommen. Ein großer Unterschied zu früher – der Zeitdruck fällt weg. Den Auszubildenden kann nun vieles vertieft erklärt werden, was unter normalem Arbeitsdruck in der Werkstatt nicht möglich wäre.

Österreichweit hat das Konzept des Reuttener VW/Audi-Autohauses unter Branchenkollegen Beachtung und erste Nachahmer gefunden. „Wir sind hier wieder einmal Vorreiter“, strahlt Hans Schweiger. Zehn Lehrlinge beschäftigt er aktuell. Auch ein Maturant ist darunter zu finden. Matura und Lehre oder umgekehrt sei auch in der Autobranche längst angekommen.

Kaum aufgesperrt, ist man in der Allgäuer Straße begeistert: „Wir können wieder aussuchen, so groß ist plötzlich der Andrang.“ Und auch die Absichtserklärungen würden zuversichtlich stimmen. Nach dem Lehrabschluss wollen alle bleiben. Das Schielen quer über das Mühler Feld zu Plansee scheint vorerst gestoppt.