Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 07.04.2018


Arbeitsmarkt

Authentizität und Umgang zählen

Mitarbeiter schätzen, wenn es in Firmen ehrlich und echt zugeht, zeigt eine Studie. Die modernste Ausstattung nützt nichts, wenn das Menschliche nicht passt. Bewerber achten auf authentische Firmenauftritte und das Miteinander.

© iStockMitarbeiter schätzen es sehr, wenn sie vom Vorgesetzten auch als Mensch gesehen werden und nicht nur als Arbeitskraft. Passt das Menschliche nicht, kann das Büro oder die Werkstatt noch so modern sein.



Wien – Österreichs Betriebe investieren in ihren eigenen Ruf. Als guter Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, bringt im Kampf um die Talente Wettbewerbsvorteile. Das Thema Employer Branding (Arbeitgebermarkenbildung) beschäftigt längst nicht nur die Konzerne. Auch kleine und mittlere Betriebe investieren in diese unternehmensstrategische Maßnahme. Entsprechende Auszeichnungen gibt es schon länger und werden von den Unternehmen gerne zur Eigenvermarktung eingesetzt (siehe Artikel unterhalb).

So überrascht es auch nicht, dass gut zwei Drittel (69,9 %) der Österreicher mittlerweile mit ihrem Arbeitgeber zufrieden sind. Was die aktuelle Employer Branding Studie von StepStone Österreich zum Vorschein bringt: Im Westen sind die besten Arbeitgeber zu finden. Jeder dritte Tiroler (35,2 %) findet seinen Arbeitgeber toll. Auch in der Steiermark und in Kärnten (34,3 %) ist gut ein Drittel von seinem Arbeitgeber angetan, gefolgt von Oberösterreich und Salzburg (29,1 %) sowie Niederösterreich und dem Burgenland (28,6 %). Am schlechtesten schneiden die Firmen in Wien ab: Hier glaubt nur gut ein Viertel (25,5 %), bei einem attraktiven Arbeitgeber tätig zu sein.

Im Geschlechtervergleich sind vor allem Frauen von ihrem Arbeitgeber überzeugt: Jede Dritte (32,7 %) sieht ihr aktuelles Unternehmen in einem positiven Licht – aber nur gut ein Viertel der befragten Männer (26,3 %).

Trotzdem ist für die meisten Befragten beim Thema Arbeitgeberimage noch Luft nach oben: Fast die Hälfte aller Befragten (45,8 %) ist der Meinung, dass Arbeitgeber vor allem für die bestehende Belegschaft noch attraktiver werden könnten. Dass sich diese Investitionen auszahlen, belegt die Studie: Nicht nur die Motivation der Mitarbeiter (84,3 %) steigt, sie bleiben auch länger im Unternehmen (81,9 %) und sind insgesamt produktiver (78,5 %). Zudem empfehlen zufriedene Mitarbeiter ihre Firma gerne weiter (72,2 %).

„Aber auch Unternehmen mit einer hohen Anziehungskraft dürfen sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen“, warnt Rudi Bauer, Geschäftsführer von StepStone Österreich. Wichtig sei es, das eigene Image als Arbeitgeber stetig weiter zu verbessern. Denn: Indem man auf seine Mitarbeiter hört, können Zufriedenheit und Produktivität im Unternehmen massiv gesteigert werden. Das wiederum strahle auch nach außen hin auf den Jobmarkt aus – und zieht die besten Bewerber und Kandidaten an, ist Bauer überzeugt.

Um die bestehende Belegschaft zu motivieren und im Unternehmen zu halten, sollten Betriebe unter anderem flexible Arbeitszeiten ermöglichen. Mehr als die Hälfte aller Befragten (51 %) ist nämlich davon überzeugt, dass flexible Arbeitszeitmodelle die Attraktivität von Arbeitgebern nachhaltig steigern. Vor allem Frauen ist das Thema wichtig (56,5 %) – ebenso wie zusätzliche Benefits zum Gehalt.

Knapp die Hälfte (46,4 %) aller Studienteilnehmerinnen sieht die Arbeitgebermarke durch Incentives wie vergünstigte Mittagessen, Beiträge zur Jahreskarte oder einen Firmenlaptop gestärkt – aber nur 39,8 % der befragten Männer. Und: Für fast die Hälfte aller Befragten (44,6 %) können Unternehmen ihr Ansehen bei der bestehenden Belegschaft mit Bonussystemen oder leistungsbezogenen Prämien steigern.

Mehr denn je wollen Arbeitnehmer heute auch in Abläufe und Prozesse eingebunden werden: Gut jeder dritte Befragte (37,7 %) rät Unternehmen, laufend Feedback von ihren Mitarbeitern einzuholen, um seine Arbeitgebermarke zu stärken. Und 39,2 % wünschen sich von ihrem Arbeitgeber, das Wir-Gefühl in der Firma zu beleben – vor allem Frauen (45,1 %) ist der Zusammenhalt im Unternehmen wichtig.

Eher unwichtig sind Mitarbeitern hingegen topausgestattete Büros: Nur gut ein Viertel (24,5 %) der Befragten glaubt, dass dies die Strahlkraft eines Unternehmens steigert.

„Selbst das modernste Büro spricht Mitarbeiter nicht an, wenn das Menschliche nicht passt“, sagt Rudi Bauer. Arbeitgeber, die das soziale Miteinander stärken, würden nicht nur ihren Mitarbeitern etwas Gutes tun: „Wer sich in seinem Unternehmen wohl und gut aufgehoben fühlt, bleibt erfahrungsgemäß länger an Bord und wirkt auch nach außen hin positiv auf Kandidaten und Bewerber“, berichtet Bauer. Immer öfter orientieren sich diese an authentischen Erfahrungsberichten von aktuellen oder ehemaligen Mitarbeitern.

Nicht nur bei der bestehenden Belegschaft, sondern auch beim Recruitingprozess können Unternehmen ihre Attraktivität als Arbeitgeber noch steigern, davon ist ein Drittel der Studienteilnehmer (34,6 %) überzeugt. Dabei tragen vor allem ein authentischer Firmenauftritt und ehrliche Einblicke ins Unternehmen zum positiven Image bei Kandidaten und Bewerbern bei: Jeder dritte Befragte (36,2 %) glaubt, dass Firmen mit einem unverfälschten Auftritt nach außen anziehend auf neue Mitarbeiter wirken. Besonders wichtig ist die Darstellung unverfälschter Unternehmensrealität gegenüber neuen Mitarbeitern, die noch nicht lange im Job sind (50,9 %).

Auch die gezielte Vermittlung von Werten und Zielen eines Unternehmens sowie der Firmenphilosophie wirkt sich positiv auf das Arbeitgeberimage aus, zeigt die Studie. So geben mehr als ein Drittel aller Befragten (35,4 %) an, dass Unternehmen davon profitieren, wenn sie ihre Werte klar definieren und ansprechen. Rudi Bauer: „Kandidaten und Bewerber wollen sich ein ehrliches Bild von ihrem zukünftigen Arbeitgeber machen – und wissen, ob die Unternehmenswerte mit ihren eigenen übereinstimmen. Arbeitgeber sollten diese daher so früh wie möglich kommunizieren, um den Cultural Fit sicherzustellen – und Kandidaten anzusprechen, die wirklich zu ihnen passen.“

Weit weniger Relevanz wird hingegen dem Unternehmens­auftritt auf Social Media zugesprochen: Nicht einmal jeder Zehnte (9,2 %) ist der Meinung, dass die Präsenz auf Facebook das Firmenimage aufpoliert. Ebenfalls im Out: die klassische Unternehmenswerbung (8,5 %). Um ihre Arbeitgebermarke zu stärken, müssen Unternehmen umdenken, sagt Rudi Bauer: „Weg vom geschönten Firmenauftritt und hin zu ehrlichen und authentischen Einblicken ins Unternehmen, die Kandidaten ein Gefühl für die Kultur des Arbeitens und Miteinanders im Unternehmen vermitteln und von individuellen Erlebnissen und Erfahrungen aktiver und ehemaliger Mitarbeiter gespeist werden.“

Zur Studie: StepStone Österreich zählt zu den führenden Recruiting-Unternehmen Österreichs. Gemeinsam mit der Marktforschungsagentur MindTake Research wurden im 3. Quartal 2017 österreichweit mehr als 1000 Angestellte und Arbeitssuchende zwischen 19 und 55 Jahren zu den Themen Employer Branding, Bewerbungsprozesse und Arbeitgeberattraktivität befragt. (TT)