Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.07.2018


Tourismus

Tourismus bei Airbnb gespalten

Hotellerie-Obmann Gerber kritisiert Passage im Arbeitsmarktbericht und ortet große Probleme bei Airbnb. NEOS-Chef verteidigt Airbnb.

© iStock(Symbolfoto)



Von Max Strozzi

Innsbruck – Wie soll der Tiroler Tourismus mit Online-Vermietungsplattformen wie Airbnb und deren Vermietern umgehen? Seit Jahren prangern Tourismusvertreter unfaire Wettbewerbsbedingungen an, weil Airbnb-Privatvermieter im Gegensatz zu Hoteliers keine Auflagen zu erfüllen hätten, keine Abgaben zahlen müssten und vieles im Graubereich passiert. Zum anderen aber bieten immer mehr Touristiker selbst ihre Appartements über Airbnb und Co an. Dieser Spagat fand nun auch im Arbeitsmarktbericht des Landes Niederschlag. Demnach hat das Land zwar – vor allem auf Betreiben der Touristiker – zunächst „gesetzliche Maßnahmen“ diskutiert und ausgearbeitet, letztlich haben aber die Tourismusregionen doch keinen Handlungsbedarf gesehen, etwa das Aufenthaltsabgabegesetz entsprechend zu ändern.

Diese Passage im Arbeitsmarkt stößt bei Mario Gerber, ÖVP-Tourismussprecher und Hotellerie-Obmann in der Wirtschaftskammer, auf Verwunderung. „Es wundert mich, wie so eine Passage in den Tiroler Arbeitsmarktbericht den Landes gelangen kann“, sagt er. „Für uns Touristiker ist nämlich klar, dass Airbnb ein immenses Problem darstellt und wir eine Lösung brauchen“, so Gerber: „Wir müssen hier schnellstmöglich etwas machen.“ Er wolle nach der Sommerpause das Thema durchdiskutieren. Dabei gehe es darum, wie man Airbnb legal nutzen kann. „Ich möchte nicht, dass man Airbnb komplett verbietet, weil es besonders für kleinere Vermieter eine Plattform bietet, sich erfolgreich zu vermarkten“, meint Gerber. Vielmehr gehe es darum, sicherzustellen, dass auch alle privaten Wohnungsvermieter sämtliche Abgaben, Steuern etc. zahlen und damit Waffengleichheit herrsche. Er glaubt, dass alleine in Innsbruck „weit über 1000 Wohnungen“ auf Airbnb angeboten werden.

Tiroler NEOS-Chef Dominik Oberhofer, selbst Hotelier im Stubai, verteidigt Airbnb. Vielleicht hänge die jüngste Meinungsumkehr der Touristiker zugunsten von Airbnb damit zusammen, „dass immer mehr Pensionen und Hotels die Plattform zur eigene Vermarktung nutzen“. Im Gegensatz zu booking.com, wo mindestens 12 % an Provision fällig würden, verlange Airbnb nur 3 %, rechnet Oberhofer vor: „Wir machen schon mehr als 30.000 Euro im Jahr über Airbnb, Tendenz stark steigend. Natürlich führen wir Kurtaxe und Mehrwertsteuer ab.“ Bei Airbnb gebe es zudem keine Barzahlung, der Betrag werde aufs Konto überwiesen: „Das ist wesentlich transparenter als alle anderen Plattformen.“