Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.07.2018


Nachtarbeit

Der Feierabend beginnt in der Früh

Während viele Berufstätige die lauen Sommerabende mit Sport oder mit Freunden im Gastgarten verbringen, haben andere erst Dienstbeginn. Drei Tiroler schildern ihre persönlichen Erfahrungen mit der Nachtarbeit.

© Getty Images/iStockphotoWährend der Nachtarbeit kämpfen die betroffenen Personen auch immer wieder mit Müdigkeit.Foto: iStock/FroggyFrogg



Von Nina Zacke

Innsbruck, Seefeld – Viele Tiroler sind derzeit auf Urlaub. Wer zu Hause geblieben ist, genießt nach einem heißen Tag im Büro oder auf der Baustelle die herrlichen Sommerabende am See oder das Feierabend-Bier auf einer Alm. Während die einen den Arbeitstag ausklingen lassen, beginnt für so manchen erst die Arbeit, beispielsweise als Bäcker, Taxifahrer, Kellner, Diskjockey oder Polizist. Wie es ist, in der Nacht zu arbeiten, darüber erzählen drei Tiroler: ein Krankenpfleger, ein Gastronom und ein Croupier.

Wenn andere den Beginn des warmen Sommerabends laufend am Inn einläuten, betritt Lukas Lanthaler die Innsbrucker Klinik, um seine Nachtschicht zu beginnen. Der 32-Jährige arbeitet seit zehn Jahren als Krankenpfleger in der Unfallchirurgischen Notaufnahme. Es gibt Nächte, in denen es dort rundgeht, dann fällt ihm das Wachbleiben leicht. „Weil man die Arbeit, die man tagsüber zu fünft macht, nachts zu zweit macht“, erklärt der Pfleger. Wie viele andere in der gleichen Situation schätzt er vor allem einen Vorteil an den Nachtdiensten: „Wenn man mehrere Nächte arbeitet, hat man mehr Freizeit.“ Der finanzielle Aspekt sei relativ, hebt er hervor.

Gesundheitlich merkt der Lanthaler, dass es eine extreme Beanspruchung für den Körper ist, insbesondere die Umstellung von den Tag- und Nachtdiensten. Er hat für sich über die Jahre herausgefunden, dass es besser ist, wenn er in der Zeit der zwei bis maximal fünf Dienste hintereinander weniger schläft. „So finde ich danach leichter in einen normalen Tag-Nacht-Rhythmus hinein“, betont der Krankenpfleger. Er habe aber Kollegen, die älter und länger im Beruf sind als er, und sich schwertun, sich wieder in einen normalen Tagesrhythmus einzugliedern, sagt der Innsbrucker. Dass diese Schichten auf Dauer nicht gesund sind (siehe auch Artikel unterhalb), wisse er, dennoch gehören sie zu seinem Beruf einfach dazu. „Ich glaube, es sind wenige Leute, die aus Spaß in der Nacht arbeiten“, meint Lanthaler.

Jemand, der die Nachtarbeit liebt, ist Alf Angleitner. Wenn andere Leute Feierabend haben und auf einen After-Work-Cocktail in eine Bar gehen, beginnt sein Arbeitstag. „Ich kann nach knapp dreißig Jahren in dem Beruf sagen, dass ich mich für etwas entschieden habe, was mir heute noch Freude macht“, berichtet der Lokalbetreiber der Wäscherei in Innsbruck. „Die Leute kommen in ihrer Freizeit in dein Lokal und verbringen dort ihre freie Zeit“, sagt Angleiter. Das mache den Charme seiner Tätigkeit aus, schildert er. Obwohl er zugibt, dass der Job als Gastronom manchmal auch hart sein kann.

Aber er sei einfach „kein Mensch für eine Tagarbeit“: „Ich mag es gern, untertags frei zu haben und abends zu arbeiten“, sagt Angleiter. So muss der Lokalbetreiber nicht bis zum Wochenende warten, bis er sich im Sommer an den See legen oder im Winter auf die Piste gehen kann. Auch er ist sich darüber im Klaren, dass der erholsame Schlaf nachts stattfindet. „Nach so langer Zeit hat sich der Körper einfach umgestellt“, sagt der Innsbrucker nüchtern. Sonntags und montags ist sein Lokal geschlossen. An den freien Tagen wird er abends immer leistungsfähiger. „Ich schlafe tagsüber und abends sitze ich bis zwei Uhr in der Früh im Büro, weil das meine produktivste Zeit ist“, erläutert Angleitner.

Die Arbeitstage beginnen für ihn und seine Angestellten meist um ca. fünfzehn Uhr und enden um zwei Uhr Früh. Seine Mitarbeiter arbeiten vier Tage in der Woche und haben drei Tage frei. Angleitner hat versucht, für sie ein familien- und beziehungsfreundliches Modell zu kreieren. „Wenn man drei Tage frei hat und mehr verdient als andere, die fünf Tage arbeiten, finde ich diesen Job nicht so schlecht“, ist der Gastronom überzeugt.

Dass Nachtarbeit auch für eine Familie ideal sein kann, weiß Armand Ladner aus eigener Erfahrung: „Es stört mich überhaupt nicht, nachts zu arbeiten, dadurch kann ich untertags viele Sachen erledigen und habe Zeit für meine Kinder.“ Als Croupier und Zahlchef im Casino Seefeld hat Ladner vier Tage nachts Dienst und anschließend zwei Tage frei. Meistens enden seine Dienste um drei Uhr Früh, je nachdem wie viel im Casino los sei, meint der Familienvater. Gerade die vielen Leute und die unterschiedlichen Charaktere, mit denen er es beruflich zu tun hat, schätze er an seiner Arbeit, betont er.

Der 39-Jährige macht diesen Beruf bereits seit über siebzehn Jahren und bemerkt an sich selbst, dass er mittlerweile mehr Schlaf als früher braucht. „Wenn ich vier Tage hintereinander sehr spät ins Bett komme, bin ich am ersten freien Tag sehr müde“, schildert der Croupier. Die freien Tage nützt er, um mit seinen beiden Kindern draußen in der Sonne zu sein und Vitamin D zu tanken. „Das hilft gegen die Müdigkeit“, sagt Ladner.

Und obwohl die Nachtarbeit gesundheitliche Nachteile wie beispielsweise eine verkürzte Schlafdauer und eine verminderte Schlafqualität mit sich bringt, sind sich alle drei Tiroler einig: Die Vorteile dieser Arbeit ist definitiv das Plus an Freizeit, das die einen für Sport und Freizeitaktivitäten mit Freunden und die anderen für mehr Zeit mit den Kindern nützen können.




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