Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.08.2018


Arbeitsmarkt

Breiter Fachkräftemangel in Tirol

In Tirol sind aktuell 3625 Stellen für Fachkräfte unbesetzt. Der Tiroler IV-Präsident Christoph Swarovski begrüßt die Arbeitszeitflexibilisierung, diese löse aber das Problem nicht. Aufwertung der Lehre gefordert.

© E+Die Lehrlingszahl sinkt stetig. Die Industriellenvereinigung und die Gewerkschaft wollen, dass die Lehre aufgewertet wird.Foto: iStock



Von Stefan Eckerieder

Innsbruck – Der Fachkräftemangel in Tirol spitzt sich weiter zu. Unternehmen könnten dadurch Aufträge verlieren, warnt der Christoph Swarovski, Präsident der Industriellenvereinigung in Tirol. Der so genannte 12-Stunden-Tag helfe nur „etwas“, sagt der IV-Chef und erklärt, dass „niemand gezwungen werden darf“, länger zu arbeiten. Er fordert, die Lehre „interessanter“ zu machen.

Bereits im Frühjahr warnte die Tiroler Wirtschaftskammer vor einer sinkenden Verfügbarkeit von Fachkräften. So meldeten bei einer Befragung von Unternehmern fast alle Branchen eine Verschlechterung der Fachkräftesituation. Das deckt sich auch mit aktuellen Zahlen des Arbeitsmarktservice Tirol (AMS). „Die Nachfrage nach Fachkräften ist breit“, sagt der Tiroler AMS-Chef Anton Kern auf TT-Anfrage. „Derzeit gibt es alleine in Tirol 3625 offene Stellen mit dem Anforderungsprofil Lehre und höher.“ Am höchsten sei die Nachfrage in den Branchen Handel und Gastronomie mit 740 bzw. 758 nicht besetzten Stellen. Händeringend nach Fachkräften gesucht wird auch im Produktionsbereich (519), am Bau (291), sowie im Dienstleistungssektor (558), im Gesundheitsbereich und in der Transportbranche (260), zeigen die AMS-Zahlen.

Dass sich das Problem in einigen Bereichen verschärft habe, würden einige IV-Mitglieder melden, sagt Swarovski. Zur Verschärfung trage gerade auch die gute konjunkturelle Situation bei, erklärt der IV-Chef, und das sei für den Standort auch gefährlich: „Die Betriebe sind sehr gut ausgelastet. Einige können das Volumen aber nicht abarbeiten, weil sie nicht genug Leute haben.“ Aufträge könnten deshalb auch verlorengehen. Die Situation bremse in manchen Bereichen auch die Investitionstätigkeit, warnt Swarovski: „Zum einen ist es so, wenn wir den Kundenbedarf nicht zufriedenstellen können, wandern diese mit ihren Aufträgen zum Mitbewerber ab. Es führt aber auch dazu, dass Investitionsentscheidungen, die bereits beschlossen wurden, nicht umgesetzt werden können, weil Leute fehlen.“

Die von der Regierung beschlossene Arbeitszeitflexibilisierung sei zwar „ein sehr guter und erforderlicher Schritt“, der nach Meinung des IV-Präsidenten „zum Vorteil von allen“ sei, jedoch werde sie „das Problem Fachkräftemangel nicht lösen“. Swarovski äußert im