Letztes Update am Fr, 17.08.2018 06:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Arbeitsmarkt

Aus für Leiner in Innsbruck: Hilfe für die Mitarbeiter läuft an

Das Möbelhaus Leiner in Innsbruck wird mit Jahresende geschlossen. 50 bis 70 Mitarbeiter hoffen jetzt auf einen Sozialplan. Die TT hat erste Reaktionen zu den geplanten Maßnahmen eingeholt. Österreichweit sind vier Filialen und mehr als 1100 Mitarbeiter betroffen.

© Kika/Leiner/OTSDas Ende 2012 eröffnete Leiner-Möbelhaus in der Innsbrucker Rossau (Archivbild von 2014) soll mit Jahresende zusperren.



Innsbruck – Es sind drastische Maßnahmen, die der neue Eigentümer – die Signa-Gruppe des Tirolers René Benko – der Möbelhandelskette Kika/Leiner verordnet. Vier Standorte werden mit Jahresende geschlossen, darunter auch die Leiner-Filiale in Innsbruck. Rund 1100 Mitarbeiter baut das Unternehmen ab – in Innsbruck dürften 50 bis 70 Mitarbeiter betroffen sein. Am Freitag sollen sie beim Arbeitsmarktservice zur Kündigung angemeldet werden.

Am Donnerstag informierten die Führungsgremien bei Kik­a/Leiner den Aufsichtsrat sowie den Betriebsrat über die geplanten Maßnahmen. „Die Leiner-Standorte in Innsbruck und in Wiener Neustadt sowie die Kika-Filialen in Vösendorf und in Spittal/Drau müssen per Jahresende zusperren“, hieß es dann am Abend in einer Stellungnahme. Auch zwei kleinere Logistikzentren in Innsbruck und Wiener Neustadt müssen dichtmachen.

Gespräche mit Zentralbetriebsrat am Freitag

Was bedeutet dies jetzt für das im November 2012 in Innsbruck mit großen Ambitionen eröffnete Möbelhaus? Der Chef des Tiroler AMS, Anton Kern, war am Donnerstag selbst überrascht über die Nachricht. „Wir wissen derzeit noch nichts“, sagte er gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Im Tiroler Gewerkschaftsbund hofft man auf einen zentralen Sozialplan für alle von der Schließung betroffenen Leiner-Angestellten. Dazu ÖGB-Chef Philip Wohlgemuth: „In der Filiale in Innsbruck gibt es selbst keinen Betriebsrat, das wird alles über den Zentralbetriebsrat geregelt. Wie seinerzeit bei der Baumax-Schließung.“

David Schumacher von der GPA-djp schlägt in dieselbe Kerbe. „Wir werden am Freitag natürlich Kontakt mit dem Zentralbetriebsrat aufnehmen. Wir stehen selbstverständlich voll hinter den Leiner-Mitarbeitern.“ Wohlgemuth ist indes zuversichtlich, dass vielleicht der eine oder andere bei Kika in Rum unterkommt.

Palfrader deutet Arbeitsstiftung an

Hilfe verspricht auch das Land Tirol. Noch gebe es aber zu wenig Informationen, deshalb könne sie noch keine konkreten Aussagen treffen, teilt Arbeits-Landesrätin Beate Palfrader (VP) mit. Eventuell käme eine Arbeitsstiftung für die Mitarbeiter in Frage, aber das hänge von den Sozialplan-Verhandlungen ab.

In Niederösterreich spricht die Landesregierung von einem herben Schlag für den dortigen Wirtschaftsstandort. SP-LHStv. Franz Schnabl übt auch Kritik an der Signa-Grupp­e. „Bis zu 500 Arbeitsplätze könnten möglicherweise alleine in Niederösterreich verloren gehen, und stückweise würden Immobilien zu Geld gemacht.“

Kika/Leiner-Chef George beurlaubt

„Die Strategie des Vorbesitzers, Kika/Leiner als Teil eines globalen Möbelkonzerns zu positionieren, hat das Unternehmen an den Rand der Insolvenz geführt“, begründete Signa die „zwingend notwendigen“ Maßnahmen. Signa hatte die beiden österreichischen Möbelhändler samt den Auslandablegern um rund 600 Mio. Euro von der gebeutelten südafrikanischen Mutter, der Steinhoff-Gruppe, gekauft und kündigte Ende Juni „tief gehende und umfangreiche Änderungen“ an.

Wir sind absolut überzeugt, dass Kika/Leiner mit einem starken Kerngeschäft wieder erfolgreich sein wird.“
Wolfram Keil, Geschäftsführer der Signa-Retail GmbH

Wie die Zeitungen „Krone“ und „Die Presse“ am Donnerstag berichteten, wurde auch Kika/Leiner-Chef Gunnar George, dessen Vertrag bis Jahresende läuft, mit sofortiger Wirkung beurlaubt. „Wir sind absolut überzeugt, dass Kika/Leiner mit einem starken Kerngeschäft wieder erfolgreich sein wird“, so Wolfram Keil, Geschäftsführer der Signa-Retail GmbH in der Aussendung.

Für die Signa Retail Group bedeutete die Übernahme von Kika/Leiner den Einstieg in den stationären Einzelhandel in Österreich. Zu Signa Retail gehört unter anderem das Berliner Nobelkaufhaus KADEWE, die deutschen Karstadt-Kaufhäuser, die Benko mit einem straffen Sanierungsprogramm wieder in die schwarzen Zahlen brachte, und rund 100 Webshops in 20 Ländern. Die Signa-Retail-Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben aktuell rund 20.000 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von über 4 Mrd. Euro. (TT, APA)