Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 22.10.2018


Arbeitsmarkt

„12-Stunden-Tag eine Form der Selbstbestimmung“

Zufriedene Mitarbeiter arbeiten lieber und auch länger. Noch glücklicher sind sie mit speziellen Benefits, etwa günstigerem Essen.

© iStockZufriedene Mitarbeiter arbeiten lieber und auch länger. Noch glücklicher sind sie mit speziellen Benefits, etwa günstigerem Essen.



Von Verena Langegger

Innsbruck, München – Florian Gottschaller weiß, wie wichtig Mitarbeiter für ein Unternehmen sind. Mit seinen Mitarbeitern arbeitet der Entwickler daran, dass es jenen anderer Unternehmen besser geht. Sein Start-up, das Fintech Spendit AG, hat er zusammen mit Ralph Meyer 2014 gegründet. Die App-Erfinder haben in München, Berlin, Wien und Malaga „eine Mission“: Entwickelt werden kundenspezifische Benefit-Lösungen. Mit gutem Grund, weiß Gottschaller: „Ein gutes Unternehmen will die besten Köpfe im Betrieb behalten.“

Auch die Diskussion über den 12-Stunden-Tag wird in Gottschallers Unternehmen geführt. Für ihn sind lange Arbeitstage mit Überstunden Zeichen eines „guten Verhältnisses von Arbeitgebern und Arbeitnehmern“. Denn: „Wer wirtschaftlich Erfolg haben will, der muss gute Mitarbeiter haben, und diese müssen ihr Potenzial voll ausschöpfen können.“

Nicole Meyer und Florian Gottschaller von der Spendit AG.
Nicole Meyer und Florian Gottschaller von der Spendit AG.
- Spendit

Daher ist für ihn die Möglichkeit eines 12-Stunden-Arbeitstages auch „eine Form der Selbstbestimmung“, eine Art „Statussymbol“. Eines ist aber auch Gottschaller klar: Es muss freiwillig sein. Junge Menschen wollen heutzutage weder Eckbüro noch Dienstwagen, sie wollen die für sie passende „Work-Life-Balance“.

Daher müssten Mitarbeiter „belohnt“ werden, findet Gottschaller. Etwa mit Mitarbeiter-Benefits. Die Lunchit-App von Spendit etwa wurde erst am 11. Oktober ausgezeichnet. Der diesjährige HR Newcomer Award in der Wiener Hofburg ging an die Spendit AG. Geehrt werden dynamische Start-ups, die innovative und nachhaltige Human-Resources-Lösungen erarbeiten. Mit der Lunch­it-App können Mitarbeiter günstig essen. Die App überzeugt durch simple Bedienung: Mitarbeiter installieren die App auf ihrem Handy und fotografieren damit ihren Mittagessen-Beleg. Im Folgemonat bekommen sie die Kosten mit dem Lohn direkt ausbezahlt: bis zu 4,40 Euro steuerfrei pro Arbeitstag. Im Unterschied zum umständlichen und altmodischen Essensbon sind die Mitarbeiter mit Lunchit völlig frei bei ihrer Lokalwahl und können die App auch im Home-Office nutzen. Zudem kann die App im individuellen Corporate Design des Unternehmens gestaltet werden. Damit ist die App, wenn sie täglich benutzt wird, nicht nur eine langfristig spürbare steuerfreie Gehaltserhöhung, sondern auch ein effektives Employer-Branding-Instrument, sagt Erfinder Florian Gottschaller.