Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.11.2018


Arbeitsmarkt

Berufsdetektive haben Hochsaison

Weihnachtszeit ist Einkaufszeit. Dabei ist das Aufdecken von Ladendiebstahl nur ein Arbeitsbereich des Berufsdetektivs. Sie bearbeiten jedoch auch Mobbing, Versicherungsbetrug oder Schwarzarbeit.

© iStockphotoDer Berufsdetektiv von heute ist professioneller Ermittler und Kriminalist. Mit Klischees aus dem Fernsehen hat er wenig zu tun.



Von Nina Zacke

Völs, Wien – Die Vorweihnachtszeit stellt ein großes Geschäft für den Handel dar, aber auch für die Berufssparte der Kaufhausdetektive. Denn die Hochsaison der Ladendiebe ist im Herbst und Winter. Dass der Kaufhausdetektiv nur ein Feld dieses umfangreichen Berufs ist, wissen wenige. Mobbing, Stalking, Versicherungsbetrug, Produktpiraterie, Personensuche oder Mitarbeiterüberwachung: Das Leistungsspektrum der Detektive ist breiter gestreut, als so mancher vermuten mag.

Vor allem das Bild dieses Berufs, das in Film und Fernsehen dargestellt wird, verzerrt den Berufszweig: „Die Arbeit eines Berufsdetektivs hat wenig bis gar nichts mit den Klischees aus Film und Fernsehen zu tun“, erklärt der Tiroler Detektiv Alfred Kovacs und ergänzt, dass „der Berufsdetektiv von heute professioneller Ermittler und Kriminalist ist“. Zu den Kompetenzen zählen nicht nur kriminalistisches Denkvermögen und Rechtssicherheit, sondern auch Kenntnisse in den Bereichen der Spurensicherung und Fernmeldetechnik, der Fotografie und Videotechnik sowie Bereiche der IT-Sicherheit. Nachdem der Detektiv sowohl im privaten als auch im wirtschaftlichen Umfeld zu 90 Prozent im Zivilrecht arbeitet, sind umfangreiche Rechtskenntnisse Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Durchführung von Ermittlungen. „Gerade in der heutigen Zeit betrügen, übervorteilen oder hintergehen Menschen einander nicht nur in der Partnerschaft, sondern vor allem auch im unternehmerischen Bereich“, präzisiert Lukas Helmberger. Helmberger ist selbst Ermittler und Präsident des Österreichischen Detektiv-Verbandes (ÖDV).

So kommt es beispielsweise häufig vor, dass Mitarbeiter eines Unternehmens im Krankenstand für einen anderen Betrieb oder als Schwarzarbeiter tätig sind, nicht selten sogar mit dem Arbeitsmaterial des eigentlichen Arbeitgebers. Oder es wird bei Mietrechtsangelegenheiten ein Wohnbedarf vorgeschoben, um eine günstige Mietwohnung zu behalten, während der eigentliche Lebensmittelpunkt in einem Haus am Land oder in einer Eigentumswohnung begründet ist. „Häufig werden dann diese Mietwohnungen an Studenten oder für Airbnb-Zwecke missbraucht“, erzählt der ehemalige Polizeibeamte Alfred Kovacs, der seit 2009 als privater Ermittler arbeitet. Um vor Gericht seinen Anspruch durchzusetzen, ist es notwendig zu beweisen, dass der Betroffene im Recht ist. „Und da treten wir als Berufsdetektive auf den Plan“, erläutert Lukas Helmberger.

Darüber hinaus zählen auch Produktpiraterie und Markenschutz zu den Aufgaben des Berufsdetektivs. Wenn Falsifikate am Markt auftauchen, versucht der Ermittler den Weg der Waren zur Bezugsquelle zurückzuverfolgen. „Fallweise ist es notwendig, Tarnidentitäten aufzubauen, um den Tätern ein vertrauenswürdiges Erscheinungsbild vorzugaukeln“, berichtet Pete­r Lang, der in der Bekämpfung der Produktpiraterie tätig ist. Sobald die Produkte in Besitz gebracht wurden, werden diese samt der dokumentierten Vorgangsweise an einen Anwalt übergeben, der sodann weitere rechtliche Schritte einleitet.

Dass hierfür Seriosität oberste Prämisse ist, gewähren die strengen Zulassungserfordernisse, die das Gewerbe als Teil des Sicherheitsgewerbes hierzulande gesetzlich reglementieren. Was wichtig sei, denn dadurch hebe sich Österreich stark von anderen Ländern in der EU ab, sagt Alfred Kovacs. „In Deutschland kann sich jeder relativ einfach Privatdetektiv nennen, ohne gesetzliche Zugangsbeschränkungen oder Ausbildungserfordernisse nachweisen zu müssen“, kritisiert der Fachgruppensprecher für Berufsdetektive der Tiroler Wirtschaftskammer. Und das stellt mitunter auch ein Problem dar, da „Mitbewerber aus anderen EU-Ländern zum Teil mit massivem Preisdumping nach Österreich hineinarbeiten, ohne die in Österreich geltenden gesetzlichen Voraussetzungen oder Qualitätsstandards zu erfüllen“.

Nachdem die Ausbildung in Österreich, abgesehen von der Prüfungsverordnung für die Befähigungsprüfung, nicht weiter geregelt ist, wurde vor einigen Jahren seitens des ÖDV eine Ausbildung entwickelt. Daher werden seit 2008 von der Europäischen Detektiv Akademie (EURODET) in ständiger Kooperation mit dem ÖDV branchenorientierte Aus- und Weiterbildungen im Sicherheitsbereich angeboten. „Und die Nachfrage ist groß“, weiß Lukas Helmberger. Denn Bedarf an guten Ermittler­n gibt es genug.