Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.02.2019


Bezirk Reutte

Arbeitslosenquote im Außerfern auf einem Rekord-Tief

Rückgang der Arbeitslosen in allen Branchen. Im August waren nur 268 Personen arbeitslos gemeldet.

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© thomas boehmSymbolfoto.



Von Simone Tschol

Außerfern – Die prosperierende Wirtschaft sorgte im Jahr 2018 für Topwerte am Außerferner Arbeitsmarkt. Dies geht aus der Statistik 2018 des Arbeitsmarktservice hervor.

Demnach war der „klassische Arbeitslose“ im Bezirk Reutte österreichischer Staatsbürger, weiblich, hat Pflichtschulabschluss, keine abgeschlossene berufliche Ausbildung und war zuletzt in einem Fremdenverkehrsberuf tätig. Insgesamt waren im Vorjahr 3039 Personen, davon 1565 Frauen und 1474 Männer, zumindest einmal von Arbeitslosigkeit betroffen. Bei einem Arbeitskräftepotenzial von 14.267 Personen bedeutet dies, dass (zumindest statistisch) 21,35 Prozent der Außerferner Arbeitnehmer arbeitslos wurden.

Das AMS Reutte wendete im vergangenen Jahr für die Unterstützung während der Arbeitslosigkeit, für Altersteilzeitgeld, Pensionsvorschuss, Schulungen und Individualförderungen insgesamt 10,204.285 Euro auf. In 123 Fällen wurde nach Nichteinhaltung der Kontrollmeldung oder vereitelter Arbeitsaufnahme der Leistungsbezug gekürzt, in zwei Fällen gänzlich eingestellt.

Die Gefahr, überhaupt eine Phase der Arbeitslosigkeit erleben zu müssen, war bei Frauen mit 23,86 Prozent wesentlich höher als bei Männern (19,09 Prozent).

Der Arbeitslosenstand war im Jahresverlauf sehr unterschiedlich. Die meisten Vorgemerkten gab es im November mit 1292 Personen, den Tiefststand im August mit 268. Jeder Arbeitslose war 2018 im Durchschnitt 48 Tage ohne Job (Österreich: 125).

Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit sank um 15,3 Prozent, dadurch errechnet sich eine Arbeitslosenquote von vier Prozent. „Das ist in der Langzeitbeobachtung von 30 Jahren der niedrigste Wert für den Bezirk Reutte“, erklärt AMS-Leiter Klaus Witting.

Der Tourismus, und hier im Speziellen die „Lechgemeinden“ und das Tannheimer Tal, profitierten von einer Zunahme an deutschen Gästen. Der Zuzug von ausländischen Arbeitskräften in den Tourismusbereich hält weiter an, ist allerdings nicht mehr so stark wie in den Vorjahren. Die Personalsuche gestaltet sich schwierig. Auch die Auftragslage in den Industriebetrieben zeigte im Vorjahr eine positive Entwicklung. Sowohl der Leitbetrieb, die Plansee Unternehmensgruppe, als auch die Firma Multivac hatten einen zusätzlichen Arbeitskräftebedarf.

Große Investitionen in die Gebäudeinfrastruktur bei Groß- und Mittelbetrieben belebten den Bau- und Baunebensektor. Speziell bei Hochbauunternehmen, Installateuren, Spenglern und Fliesenlegerbetrieben ist der Arbeitskräftemangel stark ausgeprägt und führte bereits dazu, dass Aufträge abgelehnt werden mussten.

Auch der Bedarf an Fachkräften im Sozial- und Gesundheitsbereich kann momentan nicht abgedeckt werden. Witting: „Alle arbeitsmarktrelevanten Daten zeigen an, dass das Wirtschaftswachstum und die Reduktion der Arbeitslosigkeit auch 2019 anhalten werden.“