Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.02.2019


Arbeitsmarkt

Für höhere Löhne: Sozial-Streiks auch in sechs Tiroler Betrieben

Sozialberufe starten Warnstreiks für mehr Lohn. Betreuung sei garantiert, betont die Gewerkschaft, die ein Signal von der Politik erwartet.

Beschäftigte in Sozial- und Gesundheitsberufen fordern – in Anlehnung an andere Branchen – unter anderem ein Lohnplus von mehr als 3 %.

© APABeschäftigte in Sozial- und Gesundheitsberufen fordern – in Anlehnung an andere Branchen – unter anderem ein Lohnplus von mehr als 3 %.



Innsbruck – Im Kampf um höhere Löhne für 100.000 Beschäftigte, davon 11.000 in Tirol, starten die Sozialberufe heute ihre angekündigten Warnstreiks. Bis Donnerstag sind bundesweit Warnstreiks in rund 75 Betrieben an 150 Standorten geplant. In Tirol werden laut Gewerkschafter Harald Schweighofer Warnstreiks in sechs Einrichtungen abgehalten, so etwa im Altenwohnheim Kitzbühel und in Einrichtungen der pro mente. Zudem würden im Verlauf der Woche in den Einrichtungen der Lebenshilfe Betriebsversammlungen durchgeführt, bei denen das Thema Warnstreik auf der Tagesordnung steht. „Am 18. Februar ist die nächste Verhandlungsrunde. Wenn da keine Einigung erfolgt, wird es zu weiteren Warnstreiks und längeren Streiks kommen“, kündigt Schweighofer an. Gefordert werden ein Lohnplus von mehr als drei Prozent, eine 35-Stunden-Woche und eine sechste Urlaubswoche für alle. Die von den Arbeitgebern zuletzt angebotenen 2,8 bis 3,0 Prozent reichen den Arbeitnehmervertretern nicht aus. Auch im Vorjahr hatten sich beide Seiten erst nach Protesten und Warnstreiks nach sechs Verhandlungsrunden geeinigt.

Bundesweit sind neben zahlreichen kleineren Organisationen von den Warnstreiks auch Teile der SPÖ-nahen Volkshilfe, des ÖVP-nahen Hilfswerks, der Lebenshilfe sowie des „Kuratoriums Wiener Pensionistenwohnhäuser“ betroffen. Ein einberufenes Streik- und Aktionsteam der Gewerkschaft organisiert und koordiniert die Maßnahmen. Darüber hinaus sind viele weitere Aktionen geplant, wie etwa eine Standkundgebung auf der Wiener Mariahilfer Straße, bei der der Behindertenbereich seine Probleme darstellt.

Der Verhandlungsführer der Gewerkschaft, der stellvertretende GPA-Bundesgeschäftsführer Reinhard Bödenauer, versicherte, dass Betreuung und Pflege garantiert seien. Kein Patient oder Klient werde zu Schaden kommen. „Leib und Leben sind gesichert.“ Allerdings schloss der Gewerkschafter Beeinträchtigungen nicht ganz aus. In der Behindertenbetreuung sollen etwa Behindertenwerkstätten vom Warnstreik betroffen sein. In der Pflege könnten einzelne Tagesbetreuungen ausfallen, und in der Küche könnte es einfachere Essen mit kleineren Gerichten statt mehrgängige Menüs geben. Auch Teile der Kinderbetreuung werden ausfallen. Damit könnte es notwendig werden, dass sich Eltern kurzfristig eine eigene Betreuung für ihre Kinder organisieren müssen, erklärte Bödenauer.

Er gestand auch zu, dass die Arbeitgeber bis zu einem gewissen Grad auch abhängig von ihrem Geldgeber, der Politik, seien. Deshalb erwartet Bödenauer auch „ein klares Signal“ von der Politik, die seit Jahren von einer notwendigen Aufwertung der Pflege spricht. Der Gewerkschafter betonte, dass er in den 25 Jahren, in denen er in diesem Bereich tätig sei, schon viele Versprechungen der Politik gehört habe, „aber mir fehlen die Taten“. So sei etwa der Pflegeregress für Heimbewohner abgeschafft worden, den Betrieben habe man aber nicht mehr Geld zur Verfügung gestellt. (mas, APA)