Letztes Update am Mi, 13.03.2019 14:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kfz-Industrie

Volkswagen verschärft Sparkurs, weltweit 30.000 Jobs vor dem Aus

Europas größter Autobauer arbeitet bereits ein Sparprogramm ab. Nun kündigt der Konzern weitere Schritte an, um „auch in der Zeit nach 2020“ zu bestehen – und das Milliarden-Investitionsprogramm stemmen zu können.

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Wolfsburg – Der Volkswagen-Konzern verschärft angesichts der geplanten Milliarden-Investitionen in E-Mobilität und Digitalisierung bei seiner Kernmarke VW Pkw den Sparkurs. Mit automatisierten Routinearbeiten, Materialeinsparungen und geringerer Modellvielfalt sollen ab 2023 die Kosten weiter gesenkt und eine Gewinnverbesserung von 5,9 Milliarden Euro jährlich erzielt werden.

Bereits im Herbst 2016 hatte VW bei der Marke mit der Arbeitnehmerseite bereits ein großes Sparprogramm verabredet, das bis Ende 2020 läuft. Es sieht den weltweiten Abbau von 30000 Stellen vor, 23000 davon in Deutschland. Im Gegenzug sollen 9000 Arbeitsplätze in Zukunftsbereichen wie der Softwareentwicklung neu entstehen. Bisher hat das Unternehmen in diesem Rahmen netto 6300 Stellen abgebaut. Das Programm sollte eine Ergebnisverbesserung von 3,7 Milliarden Euro ab 2020 bringen und die Produktivität der Werke deutlich erhöhen.

Konzernzentrale besonders betroffen

Mit den erhofften Einsparungen will VW sich den finanziellen Spielraum verschaffen, um zusätzliche Milliarden in E-Autos, Digitalisierung und zukünftige Mobilitätsdienste zu investieren. Die bis 2025 geltende Beschäftigungssicherung bekräftigte der Autobauer am Mittwoch in Wolfsburg bei der Vorlage der neuen Sparpläne aber.

Stellen sollen beim altersbedingten Ausscheiden von Mitarbeitern nicht neu besetzt werden. Betroffen vom Stellenabbau ist nach Angaben des Unternehmens im Wesentlichen die Konzernzentrale in Wolfsburg mit den Verwaltungsbereichen Finanzen, Beschaffung und Personalwesen. Inklusive der technischen Entwicklung beschäftigt VW in indirekten Bereichen rund 54000 Mitarbeiter.

Zweiklassengesellschaft

Betriebsratschef Bernd Osterloh warnte vor einer Zwei-Klassen-Belegschaft. Der Vorstand müsse wissen, dass es bei den Angeboten zur Altersteilzeit keinen Unterschied zwischen Verwaltung und Produktion geben könne, betonte er. Es müsse klar sein, dass bei Volkswagen nur Arbeitsplätze abgebaut würden, wenn die Tätigkeit dahinter tatsächlich wegfalle. „Einer Fremdvergabe werden wir nicht zustimmen“, sagte Osterloh. Er kritisierte die Aussagen zu den 5000 bis 7000 Arbeitsplätzen, weil ihm keine Herleitung dieser Größenordnung bekannt sei. „Der Vorstand ist bisher nicht in der Lage, eine Erklärung zu diesen Zahlen zu liefern“.

Hintergrund ist, dass VW derzeit Geld in modernere IT-Systeme investiert. Das eröffnet Spielraum für das Management, über Stellenstreichungen Kosten zu sparen. Bereits seit einiger Zeit steht ein weiterer Personalabbau bei der Marke im Raum.

„Wir müssten dann über höhere Preise sprechen“

VW-Konzernchef Diess will vor allem die zuletzt schwächelnden Konzernmarken VW und Audi auf mehr Rendite trimmen. Die Marke Volkswagen etwa will bis 2023 rund 19 Milliarden Euro in Zukunftsthemen stecken – was bei niedrigen Gewinnmargen eng wird.

Ohnehin steht die Marke auch im Tagesgeschäft nicht ohne Herausforderungen da. In diesem Jahr kommt eine weitere Stufe neuer Abgas- und Verbrauchstestverfahren, die im vergangenen Jahr soviel Ärger machten und Geld gekostet haben. Auch bei der Einführung des neuen Golf 8 läuft nicht alles rund. Für den geplanten Produktionsanlauf des Kassenschlagers vor Ende des Jahres sei noch viel zu tun, sagte der bei der Kernmarke fürs Tagesgeschäft zuständige Manager Ralf Brandstätter.

Im Falle eines ungeregelten Brexit und möglicher neuer Zölle kündigte VW an, Mehrkosten gegebenenfalls an Kunden weiterzugeben. „Wir müssten dann über höhere Preise sprechen“, betont Brandstätter. Großbritannien ist der zweitwichtigste Absatzmarkt für VW in Europa. Rund 500 000 Wagen lieferte der Konzern vergangenes Jahr dorthin aus. (APA/dpa)