Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.04.2019


Arbeitsmarkt

374 Millionen werden durch Job krank

Täglich sterben 6500 Menschen an durch die Arbeitsbedingungen verursachten Krankheiten. Die UNO verlangt besseren Schutz.

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Genf – Angesichts des sich rasant wandelnden Arbeitsumfelds fordert die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf neue Anstrengungen im Arbeitsschutz. Rund 374 Millionen Menschen werden laut ILO weltweit jedes Jahr durch die Arbeit krank oder verletzen sich bei Arbeitsunfällen.

Jeden Tag sterben geschätzt rund 6500 Menschen an Krankheiten, die durch ihre Arbeit verursacht wurden, und 1000 Menschen kommen bei Arbeitsunfällen um. Wachsende Herausforderungen seien Herz-Kreislauf- und Atemwegs­erkrankungen, Krebs sowie Stress und psychosoziale Risiken, so die ILO.

Das gehe unter anderem auf befristete Arbeitsverträge zurück, auf Arbeitgeberforderungen nach mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten und zunehmende Tele- oder Heimarbeit. Arbeitnehmer könnten sich dort isoliert fühlen oder es stressig finden, wenn Arbeit und Freizeit immer weniger klar getrennt sind.

Zu Stress und Gefühlen der Isolation führten manchmal auch smarte Technologie und am Körper tragbare Geräte. Sie könnten zwar helfen, die Sicherheit zu verbessern, etwa, indem sie Ermüdungserscheinungen messen oder die Qualität der Luft, in der jemand arbeiten muss, so die ILO. Aber Mitarbeiter bekämen dadurch unter Umständen auch das Gefühl, die Autonomie über ihre Arbeit zu verlieren. Sie könnten den Kontakt mit Kollegen vermissen, während sie früher mehr Informationen direkt oder per Telefon ausgetauscht hätten.

Nach nationalen und internationalen Befragungsdaten sei Home-Office in Deutschland noch nicht so weit verbreitet wie beispielsweise in den Niederlanden oder Dänemark. EU-weit liege Deutschland im unteren Mittelfeld. Am schwierigsten seien sicherlich Jobs, die komplett von zu Hause erledigt würden. Hier sei die Gefahr der sozialen Isolation am höchsten, auch ergäben sich Probleme in Betrieben, die noch eine ausgeprägte Präsenzkultur pflegten.

Auch der rasante Anstieg von Industrierobotern bringt nach Angaben der ILO neue Risiken mit sich. Roboter erleichterten zwar die Arbeit, etwa weil sie schwere Lasten heben. Gleichzeitig bestehe aber die Gefahr von Arbeitsunfällen im Kontakt mit diesen Maschinen.

Behörden, Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssten diese neuen Risiken untersuchen und Arbeitsstandards, wo nötig, verbessern, fordert die ILO, die zu den Vereinten Nationen (UNO) gehört und die soziale Gerechtigkeit und Arbeitsrechte verbessern soll. (dpa)