Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.04.2019


Arbeitsmarkt

Freude, Image, Geld: Wirtschaftskammer startet Offensive für Lehre

Die Wirtschaftskammer Tirol startet angesichts des massiven Fachkräftemangels eine große Kampagne für die Lehrausbildung.

Tirols Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser.

© Thomas Boehm / TTTirols Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser.



Von Alois Vahrner

Innsbruck – Mit Kinospots, mit Inseraten und mit Social-Media-Werbung soll die Werbetrommel für die umfassenden Möglichkeiten bei Lehrausbildungen gerührt werden, sagt Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser gegenüber der TT. „Wir wollen vor allem die ansprechen, die bei der Bildungs- und Berufsentscheidung ein ganz entscheidendes Wort mitreden: die Eltern. Diese sollen ihre Kinder wieder mit Stolz eine Lehrausbildung machen lassen.“ Zu Wort kommen bei den Spots auch die Eltern von Lehrlingen – auch Walser selbst, dessen ältester Sohn eine Lehre zum Lkw-Mechaniker absolviert.

Etwa 160.000 Fachkräfte fehlen zurzeit laut Umfragen in Österreich, davon allein etwa 20.000 in Tirol. Am größten sei der Bedarf im Tourismus (88 Prozent der Betriebe) und im Gewerbe (86 Prozent). „Die Frage, bekomme ich gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ist bei vielen schon akuter als die Frage nach neuen Aufträgen“, so Walser. Im Vorjahr ist die Zahl der Lehr-Anfänger erstmals wieder um etwa drei Prozent auf 3438 angestiegen.

Der derzeitige Fachkräftemangel habe die Bedeutung und das Image der Lehre auch in der Gesellschaft bereits gesteigert. Die Lehre sei in aller Munde, und es tue sich auch sehr viel bei den Rahmenbedingungen. Die derzeit über 200 Lehrberufe mit teils seit Langem nicht modernisierten Berufsbildern sollen künftig alle fünf Jahre an die aktuellen, gerade auch digitalen Anforderungen angepasst werden, dazu kommen neue Berufe. Walser drängt auch auf eine völlige Durchlässigkeit des schulischen und dualen Bildungssystems, etwa von Lehre nach der Matura oder Maturanten in die Lehre bis dann hinauf in die höchsten Stufen. „Eine Lehrausbildung muss Freude machen und sie muss für die Zukunft alle Höherqualifizierungs- und Bildungschancen eröffnen.“

Es gehe um Image, Freude und Geld. Letzteres sei bereits bei der Lehrausbildung für die Jungen attraktiv. Wegen des akuten Mangels zeige die Bezahlung von guten Fachkräften spürbar nach oben.