Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.06.2019


Österreich

Ziele und Transparenz lassen Quote steigen

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Gesetzliche Frauenquoten nehmen in Europa zu. Auch Österreich führte 2018 eine solche Quote ein — nämlich jene von 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten börsennotierter Konzerne und Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern. Trotzdem sind Frauen in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert.

In Österreich liegt ihr Anteil in den Vorständen börsennotierter Unternehmen bei derzeit 4,8 Prozent. Von 186 Vorständen sind nur neun Frauen, zwei weniger als vor einem Jahr. Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten ist dagegen von 18,8 auf 23,2 Prozent gestiegen. Jeder vierte Aufsichtsrat erfüllt die Quote nicht, hat das Prüf- und Beratungsunternehmen EY Anfang 2019 erhoben.

In der Forschung werden die Gründe dafür intensiv diskutiert — und auch, welche Maßnahmen dazu beitragen können, dass Frauen in der Geschäftsleitung und im Aufsichtsrat häufiger vertreten sind. Heike Mensi-Klarbach, Wissenschafterin am Institut für Gender und Diversität in Organisationen der Wirtschaftsuniversität Wien (WU), erklärt: „Es braucht klare Ziele und die öffentliche Sichtbarkeit des Erfolgs, also ob diese auch erfüllt werden.“ Sie untersuchte in einer aktuellen Studie, wie sich verschiedene Maßnahmen abseits der gesetzlichen Quote auf den Frauenanteil in Führungspositionen auswirken.

Wie die WU-Studie zeigt, wirkt freiwillige Selbstregulierung ohne zusätzlichen Druck in Österreich nicht. „Damit weiche Maßnahmen Wirkung zeigen, muss also der Druck verstärkt werden“, sagt Mensi-Klarbach. Ihre Studienergebnisse zeigen, dass in Österreich über freiwillige, aber konkrete Zielgrößen und die transparente Kontrolle der Zielerreichung durch Berichterstattung, aber auch durch die glaubwürdige Androhung einer gesetzlichen Quote ein Anstieg von Frauen erreicht werden konnte. (TT)