Letztes Update am Fr, 14.06.2019 15:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Onlinehandel

Aufregung um Amazon Österreich, Manager gekündigt

Nach den Vorwürfen eines Mitarbeiters im Amazon-Verteilzentrum in Niederösterreich gibt es nun auf politischer Ebene erste Maßnahmen. Zudem meldete sich ein gekündigter Manager zu Wort.

Das "Amazon Verteilzentrum" in Großebersdorf in Niederösterreich.

© APADas "Amazon Verteilzentrum" in Großebersdorf in Niederösterreich.



Wien, Seattle – Der Streit um die Arbeitsbedingungen bei Amazon in Österreich geht weiter. Nachdem ein Amazon-Mitarbeiter von erniedrigenden und gefährlichen Arbeitsbedingungen berichtet hatte, sah die Gewerkschaft GPA-djp heute erste Erfolge. Demnach habe der US-Konzern Änderungen beim Management und im Verteilzentrum in Großebersdorf (NÖ) vorgenommen.

„Der öffentliche Druck aufgrund menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen bei Amazon scheint Wirkung zu zeigen“, so GPA-Vorsitzende Barbara Teiber am Freitagvormittag. Wenige Stunden später kam dann das Dementi von Amazon. „Es ist Unsinn. Unser Verteilzentrum ist von dem selben Management Team geleitet. Wir haben keinen Umbau vor, da das Gebäude absolut sicher ist und gute Arbeitsbedingungen bietet“, so der Konzern in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA.

Die Vorsitzende der Privatangestellten-Gewerkschaft Barbara Teiber und Amazon-Mitarbeiter Maarten N.
Die Vorsitzende der Privatangestellten-Gewerkschaft Barbara Teiber und Amazon-Mitarbeiter Maarten N.
- APA

Ministerium leitet Konsultationsprozess ein

Bereits am Vormittag hatte die GPA gemeint, sie bleibt weiter dran, so wurde die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse ersucht zu überprüfen, ob bei den Botenfahrern Scheinselbstständigkeit vorliegt. Beim Sozialministerium werde eine Verordnung angeregt, die Anzahl der Leiharbeitskräfte bei Amazon drastisch zu reduzieren. Laut Angaben des Amazon-Mitarbeiters ist lediglich das Management der Verteilerzentrale in Großebersdorf (NÖ) bei Amazon beschäftigt, die rund 150 weiteren Mitarbeiter seien Leiharbeitskräfte. Derzeit arbeitet Amazon in Österreich praktisch nur mit Leiharbeitern, nur 16 Beschäftigte sind bei Amazon selbst angestellt. Leiharbeiter seien da, um Spitzen abzudecken, aber nicht für die Regelarbeit, so Teiber. Dazu hieß es aus dem Sozialministerium, man werde einen solchen Konsultationsprozess einleiten, um sich ergebende, offene Fragen mit diesen abzuklären.

Nach Arbeitsverfassungsgesetz könnte der Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung erzwingen, die die Beschäftigung im Rahmen von Überlassungen (wie etwa die Zahl der überlassenen Arbeitskräfte oder eine Verpflichtung nach längerer Dauer einen Arbeitsvertrag abzuschließen) regelt. Allerdings – Amazon hat in Österreich keinen Betriebsrat.

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Hintergrund der Auseinandersetzung: Am Dienstag hatte der Amazon-Mitarbeiter Maarten N., unterstützt von der GPA, vor zahlreichen Journalisten über bedenkliche Arbeitsbedingungen bei dem Onlineriesen berichtet. Durch die räumliche Enge komme es zu Unfällen, Mitarbeiter würden permanent überwacht und diszipliniert und Anfang der Woche wisse man nie, ob man Ende der Woche noch einen Job hat.

Gekündigter Manager meldete sich zu Wort

Mittlerweile ist der Streit um die Arbeitsbedingungen bei Amazon Österreich um eine Facette reicher. Im Laufe des Tages meldete sich ein Abteilungsleiter bei der APA. Er habe heute, Freitag, ein Kündigungsschreiben erhalten. Begründet sei dies damit worden, dass sich seine Mitarbeiter nicht auf ihn verlassen hätten können. Was sich der Gekündigte nur so erklären kann, dass damit sein Krankenstand nach einem Autounfall gemeint ist.

Verwundert hat den Abteilungsleiter auch, dass er gehen musste, obwohl der Mitarbeiter, der sich am Dienstag mit Kritik am Konzern an die Medien wandte, gar nicht in seiner Schicht arbeitete. Die Vorwürfe des Kollegen – unter anderem sollen die Mitarbeiter exzessiv kontrolliert worden sein – würde er jedenfalls zu 100 Prozent unterschreiben. „Wir können alle Daten einsehen“, so der Mann. (APA, TT.com)