Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 08.07.2019


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Wenn die Sonnenliege ruft: Acht Fragen und Antworten zum Urlaubsrecht

Von der fiesen Darmgrippe auf Reisen bis zum Triebwerksschaden beim Rückflug: Was Arbeitnehmer in Sachen Urlaubsrecht für eine ungetrübte Erholung wissen müssen.

Endlich abschalten: Die erholsamen Urlaubstage sind wohlverdient und heißersehnt.

© iStockEndlich abschalten: Die erholsamen Urlaubstage sind wohlverdient und heißersehnt.



Von Beate Troger

Innsbruck — Die Arbeit und die Gedanken an den Job ruhen lassen. Die Zeit mit den Liebsten genießen, den Hobbys nachgehen und einfach nur entspannen. Doch bevor Arbeitnehmer den wohlverdienten Urlaub antreten und auch mal abschalten können, gilt es einige rechtliche Grundlagen zu beachten.

1. Wer hat Anspruch auf Urlaub? Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf fünf Wochen bezahlten Urlaub. „Wer gerade neu in ein Unternehmen eintritt, sammelt in den ersten sechs Monaten der Beschäftigung zwei Urlaubstage pro Monat an", erläutert Thomas Radner, Leiter der Abteilung Arbeitsrecht in der Arbeiterkammer (AK) Tirol.

2. Wie wird Urlaub vereinbart? Jeder Urlaubstag muss von Arbeitgeberseite genehmigt werden. „Um spätere Missverständnisse zu vermeiden, empfehlen wir, diese Vereinbarung schriftlich festzuhalten", sagt der AK-Jurist. Eine neue Ausnahme stellt der „persönliche Feiertag" dar. Dieser kann vom Mitarbeiter auch einseitig bekannt gegeben werden, allerdings mit einer Vorlauffrist von drei Monaten.

3. Kann Urlaub auch kurzfristig genommen werden? Für die Beantragung von regulären kürzeren oder längeren Urlauben gibt es keine Fristen. Wenn also der Wetterbericht sonnige Tage verheißt und der Arbeitgeber bzw. der Vorgesetzte einverstanden ist, kann man auch spontan verreisen oder daheim die Tage in der Sonne genießen.

4. Muss ich mich an den Betriebsurlaub halten? Der Arbeitgeber darf den Urlaub im Allgemeinen nicht verordnen. Betriebsurlaube, zum Beispiel zwischen Weihnachten und Neujahr, stellen aber eine Ausnahme dar. Diese sollten am besten in einer Betriebsvereinbarung festgehalten werden. Die Zustimmung der Mitarbeiter zum Betriebsurlaub gilt auch indirekt, indem sich die Mitarbeiter daran halten. „Der Oberste Gerichtshof hat geurteilt, dass auch im Fall von Betriebsurlauben dem Arbeitnehmer ein erheblicher Teil seiner Urlaubstage frei zur Verfügung steht", erläutert Arbeitsrechts-Experte Thomas Radner. Das hieße, dass zwei Wochen Betriebsurlaub vollkommen in Ordnung wären, vier Wochen aber nicht.

5. Was ist im Krankheitsfall im Urlaub zu beachten? Eine Krankheit, die während des Urlaubs mindestens vier Tage dauert, unterbricht den Urlaub. Dann werden alle Werktage, die in diese Erkrankung fallen, nicht vom Urlaubszeitbudget abgezogen. „Der Arbeitnehmer ist aber verpflichtet, den Arbeitgeber sofort zu verständigen und bei seiner Rückkehr eine ärztliche Bestätigung vorzulegen", informiert der AK-Jurist. Im Ausland muss diese Bestätigung von einem Krankenhaus ausgestellt werden oder von einem Arzt, dessen Berufsausübung ebenfalls amtlich bestätigt werden muss.

6. Kann ich den vereinbarten Urlaub auch verschieben oder wieder absagen? „Wenn außergewöhnliche unvorhergesehene Umstände eintreten, in denen die persönliche Erholung nicht mehr gewährleistet ist, kann auch der Arbeitnehmer vom vereinbarten Urlaub zurücktreten", führt Rechtsexperte Radner aus. Das sei aber nur bei schwerwiegenden Fällen möglich, etwa bei einer schweren Erkrankung oder dem Tod von Angehörigen. Wenn sich aber Preise oder Wettervorhersagen im geplanten Urlaubsziel ändern, müssen die Änderungen wiederum mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden.

7. Kann der Arbeitgeber den vereinbarten Urlaub „verbieten"? Rechtlich ist es möglich, dass von Arbeitgeberseite der so genannte „betriebliche Notstand" ausgerufen wird. In dem Fall muss das Unternehmen belegen, dass genau dieser betroffene Mitarbeiter nicht ersetzbar ist und dringend benötigt wird. „Der Arbeitgeber muss dann auch für alle Kosten aufkommen, wenn etwa Stornogebühren für eine bereits geplante Reise anfallen", informiert Radner.

8. Was passiert, wenn ich die Rückreise nicht antreten kann? Wird zum Beispiel der Rückflug wegen eines unvorhersehbaren Unwetters storniert, gilt die verspätete Rückkehr rechtlich als „wichtiger persönlicher Verhinderungsgrund". Hat der Arbeitnehmer alle zumutbaren Alternativen ausgeschöpft, etwa Zug statt Flugzeug, muss er den Arbeitgeber informieren und versuchen, so rasch als möglich zurückzukommen. Die Fehltage gelten in dem Fall aber nicht als Urlaubstage.




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