Letztes Update am Mo, 05.08.2019 16:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Einkommen

Tiroler erzielten 2017 Bruttoeinkommen von rund 12 Milliarden Euro

Das höchste Lohnplus gibt es heuer bei Beschäftigten in der Sparte Transport und Verkehr, Die AK präsentierte am Montag ihren jährlichen Einkommensbericht.

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Wien – Die Kollektivvertragsabschlüsse im 1. Halbjahr 2019 haben den Arbeitnehmern deutliche Einkommenszuwächse über der Inflation gebracht. Die durchschnittliche Teuerungsrate betrug in den sechs Monaten 1,68 Prozent, während die Lohn- und Gehaltsabschlüsse im Schnitt bei 2,98 Prozent lagen.

Am besten schnitten bei den Frühjahreslohnrunden Mitarbeiter der Sparte Transport und Verkehr mit einem Plus von 3,63 Prozent ab. Selbst beim Schlusslicht, den KV-Abschlüssen in der Sparte Banken-und Versicherungsbranche, gab es einen Zuwachs von 2,26 Prozent.Auffallend ist, dass im Tourismus die Kollektivvertragsabschlüsse in den einzelnen Sektoren im Laufe des heurigen Jahres stetig höher ausfielen. Lag das Plus aus den KV-Abschlüssen im Jänner bei 2,3 Prozent, waren es im Mai und Juni bereits 2,8 Prozent.

Die bevorstehende Herbstlohnrunde wird traditionell von der Metallindustrie eingeläutet, es folgen die rund 500.000 Beschäftigten im Handel. Aktuell streiten die Sozialpartner über eine Einigung bei den Fleischern. Nach drei Verhandlungsrunden soll am 4. September weiter verhandelt werden. Dem Vernehmen nach bieten die Arbeitgeber ein Lohnplus von einem Prozent, die Arbeitnehmer fordern hingegen vier Prozent mehr.

Öffentlichkeitsnaher Bereich bei Einkommen in Tirol wichtig

Wie jedes Jahr hat die Arbeiterkammer (AK) die aktuelle Einkommenssituation der Tiroler erhoben. Basis dafür ist die Lohnsteuerstatistik der Statistik Austria aus dem Jahr 2017 – als derzeit aktuellste Einkommensstatistik.

2017 erzielten die Tiroler ein Bruttoeinkommen von rund 11,7 Milliarden Euro. Auf die männlichen Beschäftigten entfielen dabei 7,5 Milliarden Euro, also rund zwei Drittel, auf die weiblichen Beschäftigten 4,2 Milliarden. Hauptgrund für dieses Ungleichgewicht sei, dass Frauen in Tirol sehr viel häufiger in Teilzeit arbeiteten, als die Männer.

Ganzjährig Vollzeit zu arbeiten bedeutet, so die AK in ihrer Aussendung am Montag, das ganze Jahr hindurch ohne saisonale oder sonstige Erwerbsunterbrechungen im Rahmen einer Vollzeitstelle erwerbstätig zu sein. Obwohl nur rund 46 Prozent der Tiroler Beschäftigten ganzjährig in Vollzeitarbeit beschäftigt waren, war dies für die Einkommenssituation enorm wichtig. 73 Prozent aller Bruttoeinkommen, 75 Prozent der Sozialversicherungsbeiträge und 87 Prozent der Lohnsteuer würden von den ganzjährig Vollzeitbeschäftigen in Tirol erzielt bzw. geleistet.

Ein eher überraschendes Ergebnis der Analyse: Gerade der öffentlichkeitsnahe Bereich mit Verwaltung, Schulwesen, Gesundheits- und Sozialwesen sei für die Einkommenssituation der Tiroler enorm wichtig, obwohl er diesbezüglich in der Öffentlichkeit gar nicht so viel Aufmerksamkeit erhalte.

Einkommen nach Branche

Die wichtigste Einzelbranche in Bezug auf die Einkommen in Tirol war laut AK-Analyse 2017 die Sachgüterproduktion, also Industrie und Gewerbe. 2,3 Milliarden Euro Bruttoeinkommen erzielten die Beschäftigten dieser Branche, das entspricht rund einem Fünftel des gesamten Tiroler Einkommens. Der Großteil der Beschäftigten waren Männer auf die mit 1,8 Milliarden Euro mehr als drei Viertel der Einkommen entfielen.

Für die Einkommen der Frauen war hingegen die Beschäftigung im öffentlichen Bereich enorm wichtig. Hier erhielten die Beschäftigten rund drei Milliarden Euro an Bruttoeinkommen (26 Prozent des Tiroler Gesamteinkommens). Damit wäre der öffentliche Bereich sogar noch vor Industrie und Gewerbe die wichtigste Einkommensquelle Tiroler gewesen. 19 Prozent der männlichen Einkommen entstammten dem öffentlichkeitsnahen Bereich. Bei den Frauen würde dieser aber 39 Prozent der gesamten Einkommen ausmachen. Das bedeute, ohne die Beschäftigung im öffentlichen Bereich sähe die Einkommenssituation der Tirolerinnen viel schlechter aus.

Die Beschäftigten im Handel erzielten rund 1,6 Milliarden Euro Bruttoeinkommen (13 Prozent des gesamten Tiroler Einkommens). Damit liegt der Handel an der dritten Stelle im Branchenvergleich, und an vierter Stelle der Bausektor mit einem Einkommen von 0,9 Milliarden Euro (acht Prozent der Tiroler Einkommen).

Tourismus: Nur sieben Prozent

Offiziell gibt es den Tourismus nicht als Branche, aber Kernbereiche würden mit dem Wirtschaftsabschnitt I „Beherbergung und Gastronomie“ abgedeckt, so die AK. Aber obwohl der Tourismus traditionell viel Aufmerksamkeit erhalte, hätten Beherbergung und Gastronomie zum Gesamteinkommen der Tirolerinnen und Tiroler lediglich sieben Prozent der Bruttoeinkommen beigetragen. Zum einen wegen der weit verbreiteten Saisonarbeit, die Zeiten ohne Erwerbseinkommen mit sich bringe (Transferleistungen wie Arbeitslosengeld werden in der Lohnsteuerstatistik nicht erfasst), aber auch wegen des vergleichsweise niedrigen Einkommensniveaus in der Branche. Lokal, das heißt in den Regionen mit intensivem Fremdenverkehr, sei die Bedeutung von Beherbergung und Gastronomie für die Gesamteinkommen natürlich größer. (APA, TT.com)




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