Letztes Update am Mi, 07.08.2019 10:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Von Branche zu Branche: Einkommen in Tirol von Top bis Flop

Die Einkommenskluft klafft in Tirol nicht nur zwischen Mann und Frau, auch die Unterschiede zwischen den Branchen und Bundesländern sind mitunter enorm. Am besten verdient man tirolweit laut AK in der Industrie.

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© imago/Joko(Symbolbild)



Innsbruck – Dass das durchschnittliche Einkommen der Tiroler hinter jenen in den meisten anderen Bundesländern hinterherhinkt, ist leider nicht neu. Das hat auch die jüngste Einkommens­erhebung der AK für das Jahr 2017 gezeigt. Demnach kamen die Tiroler auf ein Jahresbruttoeinkommen von durchschnittlich 25.313 Euro (Median), wovon netto 19.324 Euro übrigblieben. Nur in Wien verdiente man weniger (25.201 Euro brutto bzw. 19.308 Euro netto). Spitzenreiter: Niederösterreich mit durchschnittlich 29.860 Euro Jahresbrutto bzw. 22.337 Eur­o Jahresnetto.

Doch in welcher Branche verdienen Beschäftigte in Tirol laut AK am meisten, in welcher am wenigsten? Und in welchen Branchen hinkt Tirol bei den Einkommen dem Bundesschnitt hinterher, wo liegt es mit vorne?

Die Unterschiede zwischen den Branchen sind enorm.
Die Unterschiede zwischen den Branchen sind enorm.
- istock

1. Industrie: Mit einem Jahresbruttoeinkommen von 36.081 Euro verdienen Beschäftigte in der Industrie in Tirol laut AK-Erhebung am meisten. Mit diesem Durchschnittseinkommen liegen die Mitarbeiter der Tiroler Industriebetriebe ein Prozent hinter dem Bundesschnitt. In Vorarlberg verdient man 6 % mehr als im Österreich-Schnitt, am wenigsten gibt es im Burgenland (33.902 Euro)

2. Bau: Rang zwei in Tirol ist der Bau. Dort haben Tiroler im Jahr 2017 durchschnittlich 30.887 Euro brutto verdient. Damit lag Tirol rund 5 % über dem Bundesschnitt, was zunächst einmal ganz gut klingt. Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass all­e Bundesländer außer Wien über dem Österreich-Schnitt lagen, und zwar zwischen 3 % (NÖ) und 12 % (V). Die niedrigen Einkommen in der Wiener Baubranche drückten den Bundesschnitt nämlich kräftig nach unten.

3. Verkehr/Lagerei: Darunter fallen Lkw-Fahrer, aber auch Piloten, Lokführer oder Mitarbeiter der Seilbahnen. In diesem Sektor hat man in Tirol 2017 durchschnittlich 30.417 Euro brutto verdient, das sind 3 Prozent unter dem Bundesschnitt. Am meisten verdiente man im Burgenland (36.307 Euro), am wenigsten in Wien (29.520).

4. Öffentliche Verwaltung, Erziehung, Unterricht, Sozialwesen: ein breites Feld, das vom Soldaten über die Justiz, Feuerwehr, Lehrer und Pfleger viele Jobs umfasst. Mit einem mittleren Jahresbrutto von 29.545 Euro in diesem Sektor lag Tirol 6 Prozent unter dem Bundesschnitt und war damit im Bundesländervergleich gemeinsam mit Oberösterreich Schlusslicht.

5. Handel: nach der öffentlichen Verwaltung die Branche mit den meisten Beschäftigten. Insgesamt 59.000 Menschen hatten in Tirol zumindest kurzfristig einen Job. Durchschnittlich standen 22.171 Euro im Jahr auf dem Lohnzettel. Hier liegt Tirol auf Augenhöhe mit Kärnten, Vorarlberg und der Steiermark – alle 3 % unter dem Bundesschnitt. Am meisten gab’s in Niederösterreich (24.773)

6. Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen: etwa Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Hier ist die Schwankungsbreite enorm. Mit einem mittleren Jahresbrutto von 14.823 Euro verdiente man in Tirol um 12 % weniger als im österreichischen Durchschnitt. Damit war Tirol Vorletzter. Im Burgenland kam man auf 20.886 Euro – 24 % über Bundesschnitt.

7. Tourismus: konkret die Mitarbeiter in Beherbergung und Gastronomie. Mit einem Jahresbruttoeinkommen von 13.254 verdienten Beschäftigte deutlich weniger als in allen anderen angeführten Branchen, nicht zuletzt auch aufgrund der stark saisonabhängigen Einkünfte. Allerdings verdienten Tourismus-Mitarbeiter in Tirol laut der AK-Analyse im Vergleich zu anderen Bundesländern noch am meisten und 18 Prozent über dem Österreich-Schnitt. Auch im Burgenland lag das Jahresbruttoeinkommen nur knapp hinter Tirol, wobei dort die Saison-Unterschiede nicht ganz so stark gewesen sein dürften wie im Westen. Tourismus-Schlusslicht: Niederösterreich mit 10.513 Euro im Jahr. (mas)

„Frauen sind dramatisch im Nachteil“

Tirols SPÖ-Nationalrätin Selma Yildirim fordert angesichts der AK-Einkommensanalyse erneut einen Ausbau der Kinderbetreuung. Tirols Frauen seien „dramatisch im Nachteil“, zumal sie 44% weniger als Männer verdienen und weniger als Frauen in anderen Bundesländern. Sie sieht den Grund dafür auch in der hohen Teilzeitquote. „Für echt­e Vereinbarkeit von Beruf und Familie braucht es ein ganzjähriges und ganztägiges Angebot mit einem Rechtsanspruch ab dem 1. Geburtstag“, so Yildirim. Ähnlich äußerte sich der ÖGB. (TT)