Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.08.2019


Arbeitsmarkt

Kammer verteidigt Kochlehre nach Kritik an “Schnitzel-Verordnung“

Eine Absage gibt es von der WK für die Forderung, eine Kochlehre auch in Lokalen mit internationaler Küche machen zu können.

Jedes Lokal solle ausbilden können, fordern die Neos.

© Getty Images/iStockphotoJedes Lokal solle ausbilden können, fordern die Neos.



Wien, Innsbruck – Die Wiener NEOS fordern eine Lehrlingsoffensive für die Gastro-Betriebe der Hauptstadt – und sagen dabei der so genannten „Schnitzel-Verordnung“ den Kampf an. Das ist jener Paragraf, der vorschreibt, dass nur Lokale, die auch österreichische Küche anbieten, Lehrlinge ausbilden dürfen. Diese Bestimmung sei nicht mehr zeitgemäß, befand der Wirtschaftssprecher der Wiener NEOS, Markus Ornig.

Dieser Forderung kann der Geschäftsführer der Sparte Gastronomie der Wirtschaftskammer Tirol, Thomas Geiger, nichts abgewinnen, denn: „Mit dem Abschluss einer Kochlehre in Österreich kann durchaus international­e Küche gekocht werden.“ Möglicher­weise seien Zusatzkurse, wie für die Herstellung von Sushi, notwendig.

Die NEOS Wien finden, dass die bundesweit geltende Verordnung die Ausbildung behindere. In einer Weltstadt wie Wien mit großer kulinarischer Vielfalt solle es auch möglich sein, dass etwa in Sushi-Lokalen oder in vegetarischen Lokalen Lehrlinge aufgenommen werden können: „Wir wollen, dass das Gesetz abgeschafft wird.“ Es führe dazu, dass derzeit nur in zehn Prozent der Betriebe junge Menschen ausgebildet werden. Die Zubereitung von Speisen wie Schnitzel oder Tafelspitz werde auch in der Berufsschule gelehrt. Die NEOS, so versprach er, würden jedenfalls auch im Bund Druck machen, dass die Ausbildungsordnung geändert werde. Thomas Geiger von der Kammer betont, dass während einer Kochlehre in Österreich laut Berufsbild „die typische österreichische Küche“ mit Mehlspeisen, Saucen, Suppen oder eben Schnitzel erlernt werden müsste. Zudem sei eine vegetarische Kochlehre wohl nur ein Teil einer Kochausbildung. Ein Absolvent hätte damit weniger Chancen auf einen Arbeitsplatz. (ver, APA)