Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 27.08.2019


Bezirk Reutte

Wirtschaftskammer tritt Ärztemangel im Außerfern aktiv entgegen

48 Personen haben die Vorbereitungskurse für den Aufnahmetest zum Medizinstudium an der WK genutzt, die Hälfte hat’s geschafft.

REA-GF Günter Salchner, WK-Bezirksstellenleiter Wolfgang Winkler, Ausbildungsarzt Johannes Kerber, Gymnasium-Direktor Manfred Pfeifer und BKH-Verwaltungsdirektor Dietmar Baron (von links) haben die Einstiegshürde zum Medizinstudium „durchleuchtet“.

© WK Reutte/GleischerREA-GF Günter Salchner, WK-Bezirksstellenleiter Wolfgang Winkler, Ausbildungsarzt Johannes Kerber, Gymnasium-Direktor Manfred Pfeifer und BKH-Verwaltungsdirektor Dietmar Baron (von links) haben die Einstiegshürde zum Medizinstudium „durchleuchtet“.



Reutte – So viele Bewerber wie noch nie haben sich heuer dem Aufnahmetest zum Medizinstudium gestellt. Allein an der Med-Uni Innsbruck traten rund 3000 Personen an, um sich ihren Lebens­traum zu erfüllen. Der Druck ist enorm, nur knapp jeder Achte schafft die Hürde.

Trotz des anhaltend großen Andrangs auf die Studienplätze sind letzten Endes kaum Mediziner zu finden, die im Außerfern tätig sein wollen. Die Wirtschaftskammer Reutte wurde daher vor fünf Jahren aktiv und setzt dabei auf den Faktor Heimat. „Wir haben das Problem des künftigen Ärztemangels in der Region erkannt und suchen aktiv nach Lösungen“, erklärt WK-Bezirksstellenleiter Wolfgang Winkler. „Wir wollen die ‚Mediziner in spe‘ dabei unterstützen, sich ihren Berufswunsch zu erfüllen, und hoffen natürlich, dass sie nach ihrer Ausbildung dann wieder in die Region zurückkehren.“

In Zusammenarbeit mit der Regionalentwicklung Außerfern, dem Bezirkskrankenhaus Reutte und dem Gymnasium Reutte wird jedes Jahr im Frühling ein Vorbereitungskurs für den Aufnahmetest angeboten. Am Gymnasium wird mit einem speziellen Wahlpflichtfach bereits im Vorfeld versucht, das Interesse der Schüler an der Medizin zu wecken. Beim Vorbereitungskurs in der Wirtschaftskammer wird der Stoff für den Aufnahmetest intensiv aufbereitet. Mit Erfolg: Rund die Hälfte der bisher 48 Kursteilnehmer sicherte sich auf Anhieb einen Studienplatz.

70 Prozent der Kurskosten werden durch ein Leader-Projekt gedeckt, die Vorbereitungsbücher und Prüfungsunterlagen von der WK gestellt. 290 Euro müssen die Teilnehmer aus eigener Tasche finanzieren.

Johannes Kerber aus Pflach, derzeit Ausbildungsarzt am BKH Reutte, bestätigt, dass der Aufnahmetest die große Einstiegshürde ist: „Wer einen Studienplatz ergattert, zieht in der Regel sein Medizinstudium auch durch. Die Drop-out-Quote ist dann gering.“ Kerber möchte nach Beendigung seiner Ausbildung gerne als Arzt im Außerfern tätig sein. Winkler: „Sein Werdegang mit dem Schulbesuch am Gymnasium Reutte, Studium an der Med-Uni Innsbruck, Rückkehr als Ausbildungsarzt ans Krankenhaus Reutte und in weiterer Folge berufliches Wirken als Mediziner im Außerfern wäre der Idealfall, um dem bestehenden Ärztemangel im Bezirk entgegenzuwirken.“

Und die WK will an dem Modell festhalten. Immerhin konnten seit Beginn der Vorbereitungskurse im Schnitt fünf Außerferner bestens vorbereitet zum Aufnahmetest antreten und ihr Medizinstudium beginnen. Im Frühjahr 2020 ist der nächste Vorbereitungskurs geplant. (TT, fasi)