Letztes Update am Di, 17.09.2019 12:32

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Arbeitsmarkt

Arbeitgeber werben mit Weiterbildung, „Spaß im Job“ nur in minimalen Dosen

Eine Analyse der Stellenanzeigen von Unternehmen zeigt: Familienfreundlichkeit und Work-Life-Balance werden selten angeboten.

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Wien – In Zeiten des Fachkräftemangels werben Arbeitgeber gerne mit Zusatzleistungen, ob die gebotenen Benefits jedoch immer die Wünsche der Arbeitnehmer treffen, ist zweifelhaft. So werben nur 4 Prozent aller Jobinserate mit der Möglichkeit von Home Office, hat eine Analyse der Online-Jobbörse StepStone von exakt 222.136 Stellenanzeigen im ersten Halbjahr 2019 österreichweit ergeben.

Einzige Ausnahme sind IT-Spezialisten, denen immerhin in 13 Prozent aller Stellenanzeigen die Möglichkeit zur Heimarbeit angeboten wird. Großzügiger sind Österreichs Arbeitgeber beim Thema Fortbildung: 40 Prozent aller Stellenanzeigen enthalten Weiterbildungsangebote, im Einzelhandel sowie in Pflege- und Arzthelferberufen sind es sogar noch mehr.

Mit flexiblen Arbeitszeiten punkten

Jedes fünfte Unternehmen versucht, auf der Suche nach neuen Mitarbeitern mit flexiblen Arbeitszeiten zu punkten. Am ehesten zugestanden werden diese Ingenieuren, IT-Experten und im naturwissenschaftlichen Bereich. Prämien spielen in gut einem Drittel aller Stellenanzeigen im Verkauf eine wichtige Rolle - im Gegensatz zum Gesamtbild, wo nur 8 Prozent aller Jobinserate Prämien als Benefit angeben.

Der stark nachgefragten Berufsgruppe der IT-Experten versucht man mit flexiblen Arbeitszeiten (35 Prozent), kostenloser Verpflegung (20 Prozent) und Mitarbeiter-Events (19 Prozent) etwas zu bieten. Der Geschäftsführer von StepStone Österreich, Rudi Bauer, zweifelt in einer Aussendung an dieser Strategie: „Unserer Erfahrung nach hat die Zielgruppe der IT-Experten vor allem Interesse an neuester technischer Ausstattung und der Möglichkeit, im Job dazuzulernen. Ob man diese hoch qualifizierten Fachkräfte mit einem Schnitzel in der Kantine und der jährlichen Weihnachtsfeier überzeugen kann, ist unsicher.“

Im Gesundheitsbereich setzt man auf die Verbindung von Beruf und Familie: Während nur 3 Prozent aller Stellenanzeigen insgesamt explizit die Familienfreundlichkeit betonen, sind es in Pfleger- und Arzthelferberufen 17 Prozent. Auch Inserate, die Ärzte ansprechen, setzen teilweise auf Familienfreundlichkeit (7 Prozent) und Unterstützung bei der Kinderbetreuung (8 Prozent).

Work-Life-Balance kaum Thema

Im Gesamtbild zeigt sich, dass österreichische Arbeitgeber vor allem auf Weiterbildung (40 Prozent), flexible Arbeitszeiten (20 Prozent) sowie Aufstiegsmöglichkeiten (19 Prozent) und Zusatzvergütungen (16 Prozent) setzen. Mehr als jedes zehnte Unternehmen (13 Prozent) bietet auch Mitarbeiterverpflegung an.

Umgekehrt versuchen die wenigsten Arbeitgeber, mit Angeboten wie Extra-Urlaub, einer Festanstellung oder Altersvorsorge zu punkten - nur 1 Prozent aller untersuchten Stellenanzeigen verfügen über diesbezügliche Angaben. Auch das Thema Work-Life-Balance wird nur in 2 Prozent aller untersuchten Inserate erwähnt, ebenso wenig wie die Unterstützung bei der Kinderbetreuung (2 Prozent) oder Familienfreundlichkeit (3 Prozent).

Kein „Spaß am Arbeitsplatz

„Viele Arbeitgeber haben die Wichtigkeit einer reibungslosen Verbindung von Beruf und Privatleben immer noch nicht erkannt“, bedauert der Stepstone-Geschäftsführer. „Dabei wäre das durchaus ein Hebel, bei dem man ansetzen und sich einen Wettbewerbsvorteil im Recruiting verschaffen könnte – vor allem, wenn man jüngere Fachkräfte mit Familie für sich interessieren möchte.“

Extrem selten gibt es für Österreichs Arbeitnehmer übrigens „Spaß am Arbeitsplatz“: Nur 0,3 Prozent aller Stellenanzeigen beinhalten entsprechende Angebote, wie etwa die Möglichkeit in den Pausen Tischtennis oder Playstation zu spielen. Und nur acht Prozent aller Stellenanzeigen beinhalten Fitnessangebote.

Für die Erhebung hat die Marktforschungsagentur index im Auftrag von StepStone von Jänner bis Juni 2019 in 22 Printmedien und 21 Jobbörsen Stellenanzeigen in ganz Österreich ausgewertet. (APA)