Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.10.2019


Arbeitsmarkt

Jobmarkt sucht Lebensmittelexperten

Laut AMS Tirol sind derzeit allein im Bereich Lebensmitteltechnologie mehr als 70 Stellen ausgeschrieben. Eine neue fünfjährige Ausbildung an der HBLFA Tirol soll die zukünftige Nachfrage teilweise decken.

Das erhöhte Gesundheitsbewusstsein von Konsumenten führt zu einer größeren Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und dadurch auch zu einem verstärkten Bedarf an gut ausgebildeten Mitarbeitern.

© iStockphotoDas erhöhte Gesundheitsbewusstsein von Konsumenten führt zu einer größeren Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und dadurch auch zu einem verstärkten Bedarf an gut ausgebildeten Mitarbeitern.



Von Nina Zacke

Innsbruck, Kematen – Die Lebensmitteltechnologie erlebt derzeit einen Aufschwung: Konsumenten legen vermehrt Wert auf qualitativ hochwertige und gesunde Lebensmittel, was wiederum zu einem erhöhten Bedarf an gut ausgebildeten Mitarbeitern führt. Laut Arbeitsmarktservice (AMS) Tirol sind derzeit allein im Bereich der Lebensmitteltechnologie mehr als 70 Stellen ausgeschrieben. Und auch für die Zukunft geht das AMS „von einem steigenden Arbeitskräftebedarf im Berufsbereich der Lebensmittelherstellung und der Biotechnologie aus“.

Diesem anwachsenden Bedarf will die neue Bildungsini­tiative der höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt (HBLFA) Tirol entgegenkommen. Mit September 2020 startet am neuen Standort in Rotholz die 5-jährige Fachrichtung „Lebensmittel- und Biotechnologie“ an der HBLFA Tirol. Dabei richtet sich der neue Fachbereich im Besonderen an naturwissenschaftlich interessierte Schüler der letzten Klasse der AHS-Unterstufe oder der Neuen Mittelschulen. Mit dem Schwerpunkt Milchtechnologie werden Kenntnisse in der Verarbeitung, Veredelung und Aufbereitung von pflanzlichen und tierischen Rohstoffen sowie in der Herstellung biologischer Substanzen vermittelt. Denn: Es gehe mit der Schwerpunktsetzung darum, eine praxisnahe Ausbildung zu schaffen, erläutert der Direktor der HBLFA Tirol, Ronald Zecha. Mikrobiologie, Hygiene, Lebensmittellabor, angewandte Chemie: Die Schüler brauchen ein praktisches Feld, in dem sie sich ausprobieren können. „So stellt sie eine Top-Ausbildung für den Einstieg in einen qualifizierten Beruf dar, beispielsweise in der Lebensmittelproduktion, -analytik, der biomedizinischen Forschung und Entwicklung, aber auch etwa in der Naturkosmetik“, weiß der Schulleiter.

Durch die verpflichtenden Praktika im Ausmaß von 20 Wochen haben die Schüler darüber hinaus bereits die Chance, mit hiesigen Milchverarbeitungsbetrieben erste Kontakte zu knüpfen. „Und dabei vielleicht auch schon den künftigen Arbeitgeber kennen zu lernen“, ist der HBLFA-Tirol-Direktor überzeugt. Gleichzeitig biete die Schulausbildung aber auch eine gute Vorbereitung für weitere naturwissenschaftsnahe Bildungswege an Fachhochschulen und Universitäten wie Medizin, Veterinärmedizin oder Lebensmittel- und Biotechnologie, unterstreicht Zecha.

So etwa mit dem Bachelorstudium „Bio- und Lebensmitteltechnologie“ oder dem Masterstudium „Lebensmitteltechnologie und Ernährung“ am Management Center Innsbruck (MCI). Denn Lebensmitteltechnologe, Lebensmittelingenieur oder Biotechnologe gelten schon heute als Berufe mit Zukunft. Diese Jobs zählen zum Bereich der so genannten „grünen Technologien“, werden mit Nachhaltigkeit assoziiert, sind sinnstiftend. „Und zukunftsgewandt, da zukünftige Bedürfnisse mit diesen Technologien erfüllt werden können, beispielsweise personalisierte Medikamente, funktionelle Ernährung sowie neuartige Erzeugungsmethoden“, ist die Leiterin des Masterstudiengangs am MCI, Katrin Bach, überzeugt.

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Für Bach erklärt sich der Aufschwung dieser Branche nicht nur wegen ihrer Zukunftsgewandtheit, sondern auch aufgrund ihrer Stabilität: „Was wir sehen, ist, dass es sich bei der Lebensmittelindustrie um einen sehr stabilen, wertbewahrenden industriellen Sektor handelt, der weniger starke Schwankungen erlebt als zum Beispiel der Banken- oder Immobiliensektor.“ Daher sehe sie die Nachfrage stabil und für die Zukunft gesichert.

Ausbildung Lebensmitteltechnologie:

Ab September 2020: Lebensmittel- und Biotechnologie: fünfjährige Ausbildung an der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt Tirol; Abschluss: Reife- und Diplomprüfung (Matura); Ingenieurtitel: nach dreijähriger facheinschlägiger Berufstätigkeit Mehr Infos: www.hblfa-tirol.at

Bio- und Lebensmitteltechnologie: Bachelorstudium am MCI; VZ; Dauer: 6 Semester; Abschluss: BSc

Lebensmitteltechnologie und Ernährung: Masterstudium am MCI; VZ oder berufsbegleitend; Dauer: 4 Semester, Abschluss: MSc Mehr Infos: www.mci.edu