Letztes Update am Di, 24.11.2015 10:31

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Markt

Käse aus dem Internet: Test zeigte zum Teil große Qualitätsmängel

Forscher untersuchten 108 online bestellte Rohmilch-Käse. In zwei Bestellungen konnten sie auch Listerien nachweisen.

Symbolbild: Die Forscher konnten in 32 online bestellten  Produkten Fäkalkeime nachweisen.

© GEORG HOCHMUTH / APA / picturedeSymbolbild: Die Forscher konnten in 32 online bestellten Produkten Fäkalkeime nachweisen.



Wien – Wenn‘s nicht so bequem wär‘: Immer mehr Konsumenten scheuen auch bei leicht verderblichen Produkten wie zum Beispiel Käse nicht davor zurück, ihn im Internet zu kaufen. Sie laufen aber nicht selten Gefahr, dann einen „echten Kas“ zu erwerben. Forscher der Vetmeduni Vienna haben 108 online erworbene Käseprodukte untersucht. Produkte kamen oft ungekühlt, in zwei wurden Listerien gefunden.

Getestet wurden Rohmilchkäse auf Keimbelastung, Versandbedingungen und Lebensmittelkennzeichnung. Mehr als die Hälfte der Produkte war bei der Lieferung nicht ordnungsgemäß gekühlt, zwei Erzeugnisse waren mit dem Krankheitskeim Listeria monocytogenes kontaminiert. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Food Control publiziert.

Erhöhtes Risiko durch Bakterien

Dagmar Schoder vom Institut für Milchhygiene interessierte sich vor allem für Rohmilchkäse. Er wird aus nicht pasteurisierter Milch hergestellt und birgt deshalb ein erhöhtes Risiko einer Kontamination mit Bakterien. Auf dem Prüfstand befanden sich 21 Internet-Shops aus sieben europäischen Ländern (Frankreich, Italien, Niederlande, Deutschland, Schweiz, Spanien und Belgien).

„Wir haben den Rohmilchkäse gewählt, weil es sich dabei um ein Hochrisikoprodukt handelt. Weil Rohmilch nicht pasteurisiert wird, kann sie mit gesundheitsschädlichen Keimen verunreinigt sein. Schon wenige Bakterien, die dann auf dem Käse ideale Wachstumsbedingungen vorfinden, können nach längerer Reifung, Lagerung und Transport auf eine kritische Menge anwachsen. Das Produkt ist dann nicht mehr genießbar und potenziell krankmachend. Deshalb muss bei der Herstellung, der Lagerung und beim Versand mit besonderer Sorgfalt vorgegangen werden“, erläuterte Schoder.

Auch Listerien und Fäkalkeime entdeckt

In zwei Käseprodukten aus Frankreich bzw. aus den Niederlanden fanden die Forschenden den Krankheitskeim Listeria monocytogenes. Eine Infektion kann vor allem für immunschwache Menschen und Schwangere gefährlich werden. Die sogenannte Listeriose ist in Österreich meldepflichtig und kann im Extremfall tödlich verlaufen.

In 32 Produkten war der Fäkalkeim Escherichia coli nachweisbar, der auf mangelnde Hygiene bei der Produktion hindeutet. Immerhin: Salmonellen wurden in keiner Probe gefunden.

„Offensichtlich weisen einige käseproduzierende Betriebe Hygienemängel auf“, meinte Schoder. „Konsumentinnen und Konsumenten rate ich zusätzlich, beim Online-Kauf genau darauf zu achten, ob ein Produkt ausreichend verpackt und gekühlt zu Hause ankommt.“ Die Versanddauer aller online bestellten Produkte lag zwischen einem und fünf Tagen. „Käse muss dabei auf alle Fälle gekühlt werden“, betonte die Forscherin. Das war bei 61,5 Prozent der Rohmilchprodukte jedoch nicht der Fall. „Wird Rohmilchkäse nicht gekühlt, wachsen Bakterien schneller. Ein langer Lieferweg und unsachgemäße Verpackung erhöhen das Risiko für Konsumentinnen und Konsumenten.“

Auch Mindesthaltbarkeitsdatum fehlte häufig

Lediglich 19 Käse erfüllten alle EU-Kennzeichnungskriterien (Richtlinie 2000/13/EG und Verordnung 853/2004). Bei 37 der bestellten Käse fehlte die Bezeichnung „Rohmilchkäse“. Auf 43 Verpackungen war auch kein Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben und auf mehr als der Hälfte waren keine Empfehlungen zur Lagerung vermerkt. (APA)