Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 21.01.2016


Markt

720 Millionen Euro für die Bauern

Agrarminister Rupprechter und EU-Agrarkommissar Hogan setzen weitere Maßnahmen am Milch- und Schweinemarkt.

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© Thomas Böhm / TT



Wien – Bei seinem gestrigen ersten offiziellen Besuch in Österreich wurde EU-Agrarkommissar Phil Hogan mit Lob überschüttet. Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter schätze Hogan für die „hervorragende Zusammenarbeit“. Das eigentliche Thema waren aber der Preisverfall am Milch- und Schweinemarkt sowie der Handelspakt TTIP zwischen den USA und der EU.

Hogan kam mit einem Novum im Gepäck. Nun könnten – neben Milch – auch Schweinehälften aus der privaten Lagerung heraus direkt in den Export gehen. „Das ist eine Neuerung, die bisher noch nicht realisiert war. Die beginnt jetzt zu greifen und wir hoffen, dass es dadurch gerade beim Schweinefleisch zu Marktentlastungen kommt“, sagte Rupprechter.

Insgesamt rechnet Hogan mit 200.000 Tonnen Milch und Schweinefleisch für die private Lagerhaltung. Die Landwirte sollen dazu mit 720 Mio. Euro unterstützt werden. Darin enthalten seien auch Werbemaßnahmen um 30 Mio. Euro. Damit sollen neue Absatzmärkte für das Überangebot an Milch erschlossen werden. Dazu will Hogan unter anderem nach Mexiko oder Vietnam reisen. Die schwierige Lage sei hauptsächlich auf das Russland-Embargo und die Krise in China zurückzuführen.

Minister Rupprechter berichtete bereits Mitte November von einer „gewissen Entspannung am Milchsektor“. Dies führt er auf die Möglichkeit der privaten Lagerhaltung von Milch, Milchpulver und Käse zurück. „Wir sehen, dass es bei der Milch zu einer Marktstabilisierung geführt hat. Derzeit sind wir bei 34 Cent pro Liter. Wir waren schon einmal bei unter 30 Cent“, erklärte Rupprechter gegenüber der TT. Molkereien, die ihre Produkte nicht verkaufen können, können einen Antrag auf private Lagerhaltung stellen. „Dann bekommen sie in dieser Zeit, wo sie diese Produkte auf Lager halten, bis zu 100 Prozent der Lagerkosten erstattet.“ Dadurch soll der Markt entlastet werden und die Produkte könnten danach direkt in den Export gehen, meinte der Agrarminister.

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Bezüglich TTIP meinten Hogan und Rupprechter unisono, dass eine Herkunftsbezeichnung gerade für Export-länder wie Österreich sehr wichtig sei und es diese zu schützen gelte. (sas)