Letztes Update am Mi, 16.03.2016 10:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Demonstrationen

Importbutter: Bauernbund kündigt Proteste gegen Spar an

Spar würde den heimischen Landwirten in den „Rücken fallen“. Dass der Herkunftsort Bayern auf der Verpackung angeführt ist, reiche nicht.

© APA (dpa/gmes/Franziska Koark)/FSymbolbild



Wien, Salzburg – Bauernbund-Direktor Hannes Abentung hat heute Protestmaßnahmen gegen den Verkauf einer Butter aus Bayern beim Handelskonzern Spar angekündigt. Welche Maßnahmen genau, werde noch geprüft. Sollten auch andere Handelsketten dem Beispiel Spar folgen, werden auch diese den Ärger der Milchbauern spüren, so Abentung am Mittwoch zur APA.

Die Bauern sind laut Abentung in einer „verzweifelten Situation“, die Stimmung sei auf dem „Siedepunkt“. Dass Spar als österreichisches Unternehmen hier den österreichischen Landwirten „in den Rücken falle“ sei ein „Angriff auf die Bauern“.

Herkunftsangabe auf der Verpackung reiche

Dass die heimischen Agrarier Milch bis nach China liefern - und dies noch ausbauen wollen - sieht Abentung nicht im Widerspruch zum Protest gegen bayrische Butter. Denn im Falle von Spar werde der Konsument getäuscht, da er davon ausgeht, Butter aus österreichischer Milch zu kaufen.

Dass der Herkunftsort Bayern auf der Verpackung angeführt ist, reicht Abentung nicht. Dies sei nur mit der Lupe lesbar und außerdem nur auf der Rückseite deklariert. Ein Blick auf die Verpackung zeigt: Der Herkunftsort ist tatsächlich nur auf der Rückseite ersichtlich, allerdings farblich hervorgehoben und in gleich großer Schrift wie die Inhaltsstoffe.

Scharfe Kritik an Spar

Für Abentung ist bei der bayrischen Butter nicht garantiert dass sie gentechnikfrei ist. Und das, obwohl sich Spar öffentlich gegen das Freihandelsabkommen TTIP ausspricht. Der Bauernbund lehnt TTIP nicht prinzipiell ab, hätte aber gerne Nachbesserungen.

Im Vorjahr wurden 34.000 Tonnen Butter hierzulande erzeugt, 4.000 Tonnen gingen laut Bauernbund in den Export. Eingeführt wurden 16.000 Tonnen.

Auslöser für den Ärger ist der gesunkene Milchpreis als Folge des Endes der Milchquote und der russischen Sanktionen. Für das Ende der Milchquote hatten sich auch der Bauernbund und Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) ausgesprochen. Die Interessensgemeinschaft Milch hingegen hatte vor einem Preisverfall gewarnt, der die logische Folge eines größeren Milchangebotes sei.

Preis pro Liter von 42 auf 27 Cent gefallen

Als die Milchquote im März 2015 auslief sprach Abentung von einer „Chance für alle österreichischen Milchbauern“. Und Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes meinte: „Auf diesen Tag haben sich Österreichs Milchbäuerinnen und Milchbauern und die Verarbeiter seit Jahren bestens vorbereitet.“

Die heimischen Milchbauern erhalten seit März nur mehr zwischen 27 Cent und 29 Cent für konventionelle Milch. Anfang 2014 lag der Preis noch bei 42 Cent je Liter. (APA)