Letztes Update am Mi, 07.06.2017 07:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Glücksspiel

Mit Glücksspielmarkt wächst Zahl der Spielsüchtigen

In nur 13 Jahren vervierfachten sich die Glücksspielumsätze in Österreich auf 16,3 Mrd. Euro im Jahr 2015. Automatenverbote greifen nicht.

Symbolfoto.

© PantherMediaSymbolfoto.



Wien – Der Markt für Glücksspiel und Sportwetten wuchs 2016 um 3,8 Prozent, womit sich der Trend zu höheren Wetteinsätzen fortgesetzt hat. Seit 2013 wuchsen die Brutto-Spielerträge (Einsätze abzüglich Gewinnausschüttungen) um 10,5 Prozent, im Vorjahr erreichten sie 1,61 Mrd. Euro. Das stärkste Plus verzeichneten Online-Anbieter, rechnet der Berater Kreutzer, Fischer und Partner vor.

Im Online-Glücksspiel erhöhten sich demnach die Brutto-Spielerträge seit 2013 um 47 Prozent, allein im Vorjahr waren es plus 21,5 Prozent. Bereits mehr als ein Viertel aller Spiel- und Wetterträge kommen von Internet-Plattformen, vorwiegend mit Firmensitz im Ausland.

Laut den Beratern ist der Anstieg im Online-Gaming auch auf die strengere gesetzliche Regelung bei Spielautomaten zurückzuführen. Von dieser hätten auch die Spielbanken profitiert. So wuchsen die Brutto-Spielerträge in den heimischen Casinos im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent auf 224 Mio. Euro an.

Dennoch sieht der Berater Handlungsbedarf. Er ortet eine Diskriminierung der stationären Glücksspielbranche durch Automatenverbote und Restriktionen bei Wetten.

„Wir benötigen ein gesetzliches Regelwerk, das keine Spielart diskriminiert“, sagt Studienautor Andreas Kreutzer. Der Spielerschutz müsse laut Kreutzer für alle Formen von Glücksspiel und Sportwetten gelten und deshalb segmentübergreifend geregelt werden. Um ihn auch im Online-Bereich umsetzen zu können, seien dementsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Als nur wenig wirksam bezeichnet auch der Jahresbericht der Spielsuchthilfe die Automatenverbote in den Bundesländern. Inzwischen würden zwei Drittel derjenigen, die im vergangenen Jahr die Spielsuchthilfe neu aufsuchten, online spielen. Die Hälfte der männlichen Spieler-Erstkontakte würden dabei Wetten als problematische Spielart angeben.

Im Gespräch mit der TT fordert Izabela Horodecki von der Spielsuchthilfe eine gesetzliche Regelung der Spielsuchtbehandlung sowie ein verstärktes staatliches Engagement bei der Glücksspielprävention.

Die Anzahl der Spielsüchtigen wird österreichweit auf rund 70.000 geschätzt, 7000 davon in Tirol. Die Umsätze der Glücksspielbranche stiegen laut Kreutzer, Fischer und Partner von 4,6 Mrd. Euro im Jahr 2002 auf 16,3 Mrd. Euro im Jahr 2015. (APA, ecke)