Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 25.08.2017


Markt

„Technologien sind weder gut noch böse“

Österreich wird sich durch den Einsatz von Robotern verändern. Ein neuer Experten-Rat soll Strategien erarbeiten, wie die Gesellschaft damit umgeht.

© AFPMenschenähnliche Maschinen wie „Roboy“ gehören bald zum Alltag – die Hälfte der Österreicher hat sich schon darauf eingestellt.Foto: AFP



Von Matthias Christler

Alpbach – Der kleine „Roboy“, eine humanoide Maschine mit Armen, Beinen und einem hellen Köpfchen, blinzelte mit den digitalen Augen und begrüßte in Alpbach seine Gäste: „Herzlich willkommen“, sagte er und führte mit weiteren Sätzen durch ein Pressegespräch zur Akzeptanz von Robotern in der Gesellschaft. Dass solche Szenen bald genauso alltäglich sein werden wie der Einsatz von Smartphones, davon geht die Hälfte der Befragten einer gestern präsentierten SORA-Umfrage unter 1000 Österreichern aus. Die Stimmung schwankt allerdings je nach Einsatzgebiet zwischen Zustimmung, Ablehnung und auch Ängsten. Drei Viertel haben zum Beispiel nichts dagegen, wenn ein Roboter ihre Wohnung aufräumt. In Bezug auf die Berufswelt ist mehr als die Hälfte besorgt oder verärgert über das, was mit der Technologie auf sie zukommt – Stichwort Arbeitsplatzverlust. Und nur jeder Zehnte würde sein Kind von Robotern beaufsichtigen lassen.

„Roboter-Technologie ist weder gut noch böse. Erst ihr konkreter Einsatz birgt Potenziale und Risiken für Mensch und Gesellschaft“, stellte Wirtschaftswissenschafterin Sabine Köszegi fest, die gestern als Vorsitzende eines achtköpfigen Experten-Gremiums vorgestellt wurde. Der Roboter-Rat soll für das Infrastrukturministerium eine Strategie entwickeln, wie Gesellschaft und Politik in Zukunft mit Robotern umgehen: zum Beispiel wie sehr und in welchen Branchen die Robotik forciert wird, wer bei Unfällen haftet oder auch ethische Fragen, wie sich Kindern entwickeln, die mit der neuen Technologie aufwachsen. Köszegi, die derzeit an der TU Wien lehrt, und ihrem Team stehen ab Oktober ein Budget von einer Million Euro zur Verfügung.

Es gehe darum, sich nicht daran zu orientieren, „was technisch möglich ist, sondern was gesellschaftlich wünschenswert ist“, sagte Köszegi über die Zielrichtung des Experten-Rates. „Roboy“ blinzelte wieder mit den Augen und sagte am Ende: „Danke für die Aufmerksamkeit.“ Ganz von allein waren ihm all die Worte jedoch nicht eingefallen, denn am anderen Ende des Raums saß ein Betreuer, der unbeobachtet die Sätze in einen Computer eingetippt hatte.