Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.10.2017


Tourismus

Klicks und Likes sind keine Urlauber

Digitalisierung und Big Data sorgen bei Österreichs Tourismusmanagern für intensive Diskussionen.

© Gabriele GrießenböckV. l.: Markus Kofler (TVB Alpbachtal Seenland), Media-Experte Thomas Koch, Renate Ecker (Zell am See-Kaprun), Markenexperte Christoph Engl und BÖTM-Präsident Josef Schirgi (Serfaus-Fiss-Ladis). Foto: BÖTM/Grießenböck



Zell am See, Kaprun – Die Digitalisierung verändert scheinbar alles. Heute führen digitale Reisebegleiter den Gast durch seinen Urlaub. Und bald kann der Zimmerservice ganz smart per Sprachbefehl bestellt werden – Alexa macht’s möglich. Auch in der Tourismusbranche gilt Big Data, also das Sammeln und Auswerten großer Datenmengen, als Wachstumshoffnung. Aber nicht nur die neue Datenschutz-Grundverordnung, die in knapp einem Jahr in Kraft treten wird, sorgt für Verunsicherung.

Wie der Spagat zwischen virtuellen Möglichkeiten und realen Urlaubsgästen gelingt, darüber diskutierten rund 70 Tourismusmanager und Experten beim dreitägigen Treffen der Österreichischen Tourismusmanager (BÖTM) in Zell am See und Kaprun. „Neben all den Hypes und Trends dürfen die menschlichen Bedürfnisse und die ständige Verbesserung der Angebote nicht zu kurz kommen“, sagt Josef Schirgi, der Präsident des BÖTM und Tourismusdirektor in Serfaus-Fiss-Ladis.

„Gäste wollen nicht wie Klick-Vieh behandelt werden“, so Media-Experte Thomas Koch. „Online-Plattformen und digitale Medien bieten viele Möglichkeiten, aber es wäre ein Fehler, sein ganzes Augenmerk nur noch auf die digitalen Plattformen zu legen.“ Es gebe 600 Millionen Adblocker weltweit. „Die Wahrscheinlichkeit, von einem Blitz getroffen zu werden, ist höher, als auf eine Online-Bannerwerbung zu klicken.“

Für Markenexperte Christoph Engl müssten sich Touristiker fragen, für wen ihre Produkte relevant sind, und nicht, wie oft diese angeklickt werden. Niemand wolle Durchschnitt. Das Problem seien austauschbare Produkte, die sich Marke nennen.

Dass mit dem Begriff der Digitalisierung auch viel Schindluder getrieben wird, davon ist auch der Zukunftsforscher Matthias Horx überzeugt. „Es ist ein technischer Trend, man sollte ihn nutzen, aber nicht den Gast verdigitalisieren. Menschen haben keine Lust, wie Datenpakete behandelt zu werden.“ Tourismus werde ein „Mensch-zu-Mensch-Empfehlungsgeschäft“ bleiben. (TT)