Letztes Update am Mi, 07.03.2018 13:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internationale Tourismusbörse Berlin 2018

Österreich kämpft heuer verstärkt um Urlauber aus aller Welt

Der heimische Tourismus floriert, Hoteliers ringen aber weiterhin um Fachkräfte und hoffen auf Personal aus Nicht-EU-Ländern. Zur Eröffnung der ITB lobte Tourismusministerin Köstinger die neue Regierung und deren Tourismusstrategie.

© Paulenz/ ÖWÖsterreich präsentiert sich auf der ITB 2018 als Urlaubsland: 2017 legte die Zahl der Übernachtungen in den heimischen Betrieben gegenüber dem Jahr davor um 2,5 Prozent auf gut 144 Millionen zu.



Wien, Berlin — Zum Winterausklang denken viele längst an den Sommerurlaub. Die geopolitische Lage hat sich etwas beruhigt — die Türkei und Ägypten rücken wieder in den Blickpunkt. Das bedeutet aber auch verschärfte Konkurrenz für Österreich. „Wir sind natürlich auf einem sehr starken Wettbewerbsfeld unterwegs", betonte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) auf der weltgrößten Branchenmesse ITB in Berlin.

Tirol will auf Reisemesse als Sportland punkten

Die Regionen setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte: Während Innsbruck Mit den IFSC Kletterweltmeisterschaften und den UCI Straßenradweltmeisterschaften wirbt, spekuliert das Ötztal auf Action-Fans. Mehr dazu.

Masterplan T: „Wichtiges Signal der Regierung"

Die neue Regierung scheint darauf Rücksicht zu nehmen und der Tourismusbranche einen höheren Stellenwert einzuräumen als dies in den Jahren davor der Fall war. Jedenfalls hat sie bereits Erleichterungen angekündigt — so etwa die Senkung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes auf Urlaubernächtigungen von 13 auf 10 Prozent, die vergangene Woche den Ministerrat passierte und zum Start der Wintersaison 2018/ 19, ab 1. November 2018, gelten soll. Die Abgabe war im Zuge der letzten Steuerreform angehoben worden.

Als Eckpfeiler der neuen Tourismusstrategie („Masterplan T") nannte die Ministerin unter anderem die intensivere Verzahnung von Tourismus, Landwirtschaft und Kulinarik sowie den Bereich Finanzierung und Investitionen — wo man beispielsweise von europäischen Förderungen profitieren könnte. Im Fokus stehe auch das gemeinsame Marketing aller heimischen Tourismusorganisationen im Ausland und wo die Branche im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung investieren müsse.

Wertschöpfung wichtiger als Nächtigungsrekorde

Weiters soll der „Erfolg" der Beherbergungsbetriebe nicht mehr nur an Rekorden bei Gästeankünften und Urlaubernächtigungen festgemacht werden, sondern die tatsächliche Wertschöpfung besser widerspiegeln. „Obwohl wir ein Nächtigungsplus haben, sinkt die Möglichkeit zu investieren", gab Köstinger die Leiden der Branche wider. „Die Spanne zwischen Nächtigungen und Ertrag hat sich sukzessive verkleinert." Das liege unter anderem an den hohen Lohnabgaben. Neben dem Ertrag der Unternehmen wäre etwa auch die Anzahl der Belegungstage interessant. „Wir haben sehr viel Potenzial in der Vor- und Nachsaison", merkte sie an.

Aktuell ist Urlaub in Österreich jedenfalls auch international sehr gut nachgefragt — 2017 legte die Zahl der Übernachtungen in den heimischen Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen gegenüber dem Jahr davor um 2,5 Prozent auf gut 144 Millionen zu. Die Branche blickt auch zuversichtlich in den heurigen Sommer: „Die Buchungslage sieht sehr gut aus, aber wie gesagt, auch die anderen Länder haben angezogen", räumte die Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, Petra Nocker-Schwarzenbacher, ein.

180.000 Besucher auf der ITB erwartet

Die ITB in Berlin ist die jährliche Leitmesse der weltweiten Reisebranche. Vom 7. bis 11. März steht das Messegelände am Funkturm ganz im Zeichen des Tourismus. „110.000 Fachbesucher werden sich in den nächsten Tagen hier tummeln und wir versuchen natürlich, Österreich bestmöglich zu vermarkten und zu positionieren", sagte die Geschäftsführerin der nationalen Tourismusmarketing-Organisation Österreich Werbung (ÖW), Petra Stolba, auf der Messe.

Das Urlaubsland Österreich präsentiert sich in Halle 17 auf mehr als 1200 Quadratmetern mit einem Stand, der 44 Aussteller und Lounges beherbergt. Bis Sonntag werden — inklusive Privatleuten — insgesamt rund 180.000 Besucher in den 26 Messehallen der ITB erwartet.

Tourismus sucht händeringend nach Köchen, Kellnern & Co.

Um die starke Nachfrage nach Urlaub in Österreich bewerkstelligen zu können, brauchen die Touristiker mehr Personal. Zahlreiche Stellen bleiben lange unbesetzt - so sind etwa Köche im Westen Österreichs äußerst schwer zu finden, wie die Wirtschaftskammer immer wieder betont. "Bis 2023 werden wir laut Wifo 36.000 insgesamt Arbeitsplätze schaffen", so Nocker-Schwarzenbacher. "Wir haben jetzt schon ein Problem, die Stellen zu besetzen."

Petra Stolba (GF Österreich Werbung), Elisabeth Köstinger (Tourismusministerin) und Petra Nocker-Schwarzenberger (Obfrau Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft WKÖ) freuen sich über einen blühenden Tourismus in Österreich.
- Harald Paulenz

In den vergangenen zehn Jahren habe sich der Arbeitskräftebedarf bereits um 25 Prozent erhöht. Und in den kommenden fünf Jahren verschärfe sich die Lage betreffend verfügbarer Mitarbeiter weiter. Die Branche müsse "gemeinsam mit der Politik eine Strategie erarbeiten, wie wir das in der Zukunft schaffen", so Nocker-Schwarzenbachers Appell.

Die Betriebe investierten den Angaben zufolge bereits in die Mitarbeiter - in Form von besseren Unterkünften und ansprechenderen Karriereleitern. "Wir nehmen uns da selbst an die Nase", sagte Nocker-Schwarzenbacher, die ein Hotel in St. Johann im Pongau führt. Von Gewerkschaftsseite wiederum werden den Tourismusbetrieben vor allem familienfeindliche Arbeitszeiten entgegengehalten. Das macht das Arbeiten in der Branche laut Arbeitnehmervertretern unattraktiv.

Hoteliers hoffen auf Kräfte aus Nicht-EU-Ländern

Die heimischen Hoteliers hoffen nun bei der Besetzung der verfügbaren Jobs auf personelle Unterstützung aus dem Ausland - doch auch das ist schwierig: Denn in Deutschland und Ungarn, wo bisher viele Mitarbeiter hergekommen sind, boomt der Tourismus.

Bei den heimischen Politikern pocht die Branchenvertretung schon seit Längerem auf eine "Regionalisierung der Mangelberufsliste". Bestimmte Fachkräfte wie etwa Köche und Servierpersonal sind in Teilen Österreichs nicht in ausreichender Zahl verfügbar. Die Touristiker hätten diese beiden Berufsgruppen daher gerne auf der Mangelberufsliste des Sozialministeriums, denn dann könnten sie auch Mitarbeiter aus Nicht-EU-Ländern einstellen. Für die Aufnahme in die Liste soll den Wünschen der Branche zufolge aber bundesländerweise ermittelt werden, in welchen Bereichen ein Mangel an Fachkräften herrscht, und nicht der österreichweite Durchschnitt herangezogen werden. Letzteres hat etwa Köche bis dato aus der Liste geblockt, obwohl es davon beispielsweise in Tirol bei weitem zu wenig gibt. (TT.com, APA)